In Wien wächst Inklusion mit Selbstbestimmung stark

Im Zentrum steht ein klarer Grundsatz: so viel Selbstbestimmung wie möglich, so viel Unterstützung wie nötig. Dieses Prinzip prägt insbesondere den Bereich Wohnen. Im internationalen Vergleich gilt Wien hier als durchaus fortschrittlich. Unterschiedliche Wohnformen ermöglichen passgenaue Lösungen – von der eigenen Wohnung mit punktueller Unterstützung bis hin zu Wohngemeinschaften oder vollbetreuten Angeboten für Menschen mit sehr hohem Unterstützungsbedarf. „Besonders stark ausgebaut haben wir in den vergangenen Jahren das teilbetreute Wohnen: Es verbindet ein hohes Maß an Eigenständigkeit mit genau jener Unterstützung, die im Alltag benötigt
wird, etwa beim Einkaufen oder im Haushalt“, erläutert Susanne Gabrle, die im FSW den Bereich Behinderung und Inklusion strategisch verantwortet. Auch für Menschen mit höherem Unterstützungsbedarf wurden innovative Modelle wie Garçonnièrenverbünde geschaffen, die selbstständiges Wohnen in einer kleinen Mietwohnung mit verlässlicher, individueller Unterstützung kombinieren. All dies sind konkrete Schritte in Richtung De-Institutionalisierung – ein zentrales Ziel der UN-Behindertenrechtskonvention, die Österreich 2008 ratifiziert hat (siehe Kasten). Arbeit und Freizeit Selbstbestimmung endet nicht an der Wohnungstür. Arbeit und Beschäftigung sind zentrale Voraussetzungen für gesellschaftliche Teilhabe. Der FSW
setzt hier auf differenzierte Angebote – von Berufsqualifizierung oder einer verlängerten Lehre für junge Menschen über Unterstützung bei der Einarbeitung am Arbeitsplatz bis hin zu Tagesstrukturen für jene, die (noch) nicht am allgemeinen Arbeitsmarkt integriert werden können. Ziel ist es, individuelle Fähigkeiten zu erhalten, weiterzuentwickeln und langfristige Perspektiven zu eröffnen. Ergänzend unterstützt der FSW auch eine selbstbestimmte Freizeitgestaltung, etwa durch Fahrtendienste oder die Förderung von Hilfsmitteln oder Gebärdensprachdolmetschern, die Mobilität und Unabhängigkeit erhöhen. Entscheidend für nachhaltige Inklusion ist mehr als ein breites Angebotsspektrum: Es ist
die konsequente Einbindung der Betroffenen. „Wichtig ist dabei, dass Mitsprache nicht symbolisch bleibt, sondern strukturell verankert ist. Im FSW wird Partizipation aktiv gelebt“, unterstreicht Gabrle und verweist auf den FSW-Kund:innen-Rat, der zuletzt im Herbst 2025 neu gewählt wurde. Von der Teilhabe zur Umsetzung Die 14 Mitglieder vertreten die Interessen von mehr als 15.000 Wiener:innen mit Behinderung, die Leistungen des FSW in Anspruch nehmen. „Als Expert:innen ihrer eigenen Lebensrealität bringen sie ihre Perspektiven im regelmäßigen Austausch mit dem FSW und der Stadtpolitik ein, geben Feedback zu
bestehenden Angeboten und setzen Impulse für Weiterentwicklungen“, schildert Gabrle. Auch auf strategischer Ebene setzt Wien auf Beteiligung. Mit der Initiative „Inklusives Wien 2030 – eine Stadt für alle“ wird Inklusion systematisch weiterentwickelt. In einem breit angelegten Beteiligungsprozess wurden zahlreiche Maßnahmen erarbeitet, die nun schrittweise umgesetzt werden. Konkrete Maßnahmen zeigen, wie sich dieser Anspruch im Alltag niederschlägt: etwa ein umfassend barrierefreier Kundenempfang mit taktilem Leitsystem für sehbeeinträchtigte Menschen, induktivem Hörsystem oder Beratung in Österreichischer Gebärdensprache. Dafür wurde der FSW-Standort in der Guglgasse in Wien offiziell mit
dem ÖZIV-Gütesiegel des Bundesverbands für Menschen mit Behinderung in Gold zertifiziert. Darüber hinaus sind Kund:innenschreiben aus dem Bereich Behinderung in einfacher Sprache gestaltet.
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