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„Maschinenhalle“ als Zuhause: Haus-im-Haus in der Landwirtschaftszone

Ein Wohnhaus entsteht im Inneren einer Maschinenhalle: Bestandsnutzung, Holzbau und ein Konzept, das sich in die Kulturlandschaft einfügt.

Eine Maschinenhalle wird zum Wohnort: Thomas und Anna zeigen mit ihrem „Haus im Haus“, wie Bestandsnutzung in der Landwirtschaftszone funktionieren kann.

Für das Paar rückte der Umzug zurück zur Familie in greifbare Nähe, doch das Bauen auf einer landwirtschaftlichen Hofstatt ist stark reglementiert.. Der Familienbesitz liegt knapp hinter der Landesgrenze von Salzburg am Rand eines Dorfs, wo land- und forstwirtschaftliche Bauten das Bild prägen.. In diesem Umfeld entstand die Idee, den vorhandenen Gebäudekörper für Wohnen neu zu denken.. Thomas wollte mit Anna nach wie vor zurück in die Nähe seiner Familie, beide mussten dafür jedoch an den Rahmenbedingungen feilen.

Dabei spielte Planung vom ersten Entwurf an eine zentrale Rolle. Holz war von Anfang an der Wunsch, doch als klar wurde, dass ein Teilabriss der Maschinenhalle zugunsten eines Neubaus raumordnungsrechtlich nicht möglich ist, wurde das Konzept neu ausgerichtet.

Dieser Punkt ist entscheidend: Gerade bei strengen Vorgaben kann aus der Notwendigkeit ein kreativer Entwurf entstehen, statt das Projekt komplett aufzugeben.

Gemeinsam entwickelten der Architekt Volker Wortmeyer und Architektin Melanie Karbasch ein neues Prinzip.. Der westliche Teil der Halle sollte baulich durch eine Brandschutzmauer abgetrennt und in ein Wohnhaus transformiert werden.. Außen war die Maschinenhalle auf den ersten Blick vor allem ein Nutzbau mit großer Kubatur, innen bot genau diese Dimension jedoch die Chance, ein Haus einzubauen.. Für Thomas war das Wohnen in der Halle dabei kein gedanklicher Bruch, weil er das Gebäude von seinen Eltern noch aus der Eigenbau-Erfahrung kannte.. Anna ließ sich nach anfänglicher Skepsis schließlich auf den intensiven Prozess ein.

„Wolf im Schafspelz“ beschreibt Karbasch das Ergebnis sinngemäß: Die Halle dient weitgehend als Hülle, während im Inneren ein echter Holzbau steckt.. Trotz Stahlkonstruktion und Trapezblechverkleidung setzt sich der Charakter des Wohnens deutlich im Inneren fort.. Der Einbau erfolgte als Holzrohbau in kurzer Zeit, und eine Durchfahrt, angelehnt an eine Quertenne, trennt das Wohnhaus räumlich von der noch genutzten Maschinenhalle.. Auch die Haustechnik wurde integriert und bleibt dadurch ohne zusätzliche Bodenversiegelung.

Gerade diese Mischung aus Trennung und Verbindung macht das Konzept stimmig: Der Bestand bleibt erkennbar, aber die Wohnfunktion erhält einen klaren, geschützten Rahmen.

Das Wohngebäude selbst erstreckt sich über zwei Geschosse in Holzriegelbauweise mit Tramdecken.. Eine offene Galerie im Obergeschoß lässt die ursprüngliche Raumhöhe der Halle spürbar werden.. Im langen Wohnraum ordnet sich die Küchenzeile in der Mitte ein, während große Fensteröffnungen den Blick in die Landschaft freigeben.. Von außen wirkt die neue Funktion für Ortsfremde kaum, erst schlichte Details wie die Terrassenkonstruktion und die Fenstereinschnitte an der Stirnseite machen sichtbar, dass hier mehr passiert ist.

Auch die Gestaltung folgt dem Grundgedanken der Reduktion.. Die giebelseitigen Wände im Erdgeschoß sind mit Kalkputz weiß gefärbelt und sorgen gemeinsam mit den Holzelementen für ein angenehmes Raumklima.. Im oberen Stockwerk werden viele Bauteile sichtbar als Massivholz ausgeführt.. Die Wohnfläche wächst im Zuge des Projekts auf rund 180 Quadratmeter an, zugleich konnte aber vieles vom Bestand übernommen werden, etwa die Aufschließung, die Fundamentierung und die Bodenplatte.

Weil die Halle als Hülle sowohl Dachhaut als auch Fassade übernimmt und anstelle eines Kellers die Tenne mit Tageslicht dient, wird das Konzept zusätzlich funktional.. Herausgeschnittene Bauteile wurden dabei im Sinne eines nachhaltigen Umgangs mit Materialien wiederverwendet: etwa Betonteile, die heute die Fundamente der Terrasse bilden, sowie Blechteile, die für Eindeckungen und Verkleidungen weiter genutzt wurden.. Das senkte nach Angaben aus dem Projekt die Kosten für den Umbau gegenüber einem vergleichbaren Neubau um etwa 30 Prozent.. Insgesamt wurde das Paar mit seinen Architekten dafür mit dem OÖ Holzbaupreis 2022 ausgezeichnet, weil das Vorhaben Themen wie Raumordnung und Umgang mit dem Landschaftsbild beispielhaft aufgreift.

Am Ende bleibt die zentrale Botschaft: Das Projekt zeigt, dass „Bestand nutzen, wo es nur geht“ nicht nur ein Slogan ist, sondern konkrete Lösungen ermöglicht.. Für Thomas fühlt sich das Ganze wie ein „Maßanzug“ an, passgenau auf Abläufe und Gewohnheiten zugeschnitten.. Gleichzeitig kann es als Signal verstanden werden, dass landwirtschaftliche Gebäude mit großen Spannweiten mehr Potenzial haben, als man ihnen auf den ersten Blick zutraut.