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Homer-Fragmente in ägyptischer Mumie entdeckt

Archäologen haben in einer ägyptischen Mumie aus römischer Zeit ein seltenes Papyrus-Fragment der »Ilias« von Homer gefunden. Der Fund wirft neue Fragen über antike Bestattungsrituale und die Verbreitung literarischer Werke auf.

In einer ägyptischen Grabstätte aus römischer Zeit ist ein ungewöhnlicher Fund geglückt: Archäologen entdeckten in einer Mumie ein Fragment der »Ilias« des antiken Dichters Homer.. Der Papyrus enthält Verse aus dem zweiten Buch des berühmten Epos und wurde in der Region al-Bahnasa, dem antiken Oxyrhynchos, geborgen.

Ein Fenster in die antike Welt

Dieser Fund verleiht der bereits bekannten Grabungsstätte in der Provinz Minja eine neue literarische und historische Bedeutung.. Forscher der Universität Barcelona, die für die Entdeckung verantwortlich sind, stießen auf die Papyri bereits Ende des vergangenen Jahres.. Dass ein literarisches Werk in diesem Kontext auftaucht, ist eine Seltenheit, da vergleichbare Funde in Mumien bisher fast ausschließlich aus magischen oder administrativen Texten bestanden.

Die Einbettung von Papyrus in Bestattungen war in der römischen Ära keineswegs ungewöhnlich, wenn auch meist auf praktischer Ebene.. Totenmasken wurden häufig aus Papyruskartonage gefertigt, bei der alte, nicht mehr benötigte Dokumente in Schichten verklebt wurden.. Dass man sich dabei jedoch für ein bedeutendes Werk der Weltliteratur entschied, lässt Raum für Spekulationen.. Handelte es sich um eine bewusste Beigabe für den Verstorbenen, oder war das Pergament schlicht als recyceltes Material für die Maskenfertigung in den Werkstätten gelandet?. Diese Frage berührt den Kern des damaligen Alltags: Die Grenze zwischen hoher Literatur und dem, was wir heute als Makulatur bezeichnen, scheint in der römischen Provinz fließender gewesen zu sein, als bisher vermutet.

Der Wert der ägyptischen Papyri

Oxyrhynchos gilt seit langem als eine der bedeutendsten Fundstellen für Manuskripte aus der griechisch-römischen und byzantinischen Zeit.. Seit Ägypten im Jahr 30 vor Christus römische Provinz wurde, entwickelte sich das Land zu einem Schmelztiegel der Kulturen.. Über sieben Jahrhunderte hinweg vermischten sich hellenistische Einflüsse mit lokalen Traditionen.. Der aktuelle Fund illustriert einmal mehr, wie tief die klassische griechische Bildung in das tägliche Leben am Nil eingedrungen war..

Misryoum-Experten weisen darauf hin, dass die Konservierung solcher Texte in ägyptischem Wüstensand ein historischer Glücksfall ist.. Während in Europa feuchte Böden oder Brände zahllose Manuskripte vernichtet haben, bietet die trockene Umgebung Ägyptens eine Zeitkapsel für das Wissen der Antike.. Jeder neue Fund hilft dabei, die Lücken im Verständnis darüber zu schließen, wie Texte wie Homers »Ilias« verbreitet und innerhalb der Bevölkerung rezipiert wurden.. Es ist diese stete Verbindung zwischen archäologischer Präzision und literarischer Überlieferung, die Ausgrabungen wie jene in Minja für die Wissenschaft so unverzichtbar macht.

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