General News

Österreichs Wirtschaft: Risikomanagement ist das Gebot der Stunde

Laut Wifo-Schnellschätzung ist Österreichs BIP im 1. Quartal um 0,2 Prozent, die Wertschöpfung der Industrie um 0,4 Prozent und der private Konsum um 0,8 Prozent gestiegen. Geht es nach der langen Rezension endlich aufwärts? Anca Eisner-Schwarz. Die Zahlen sprechen für eine leichte Erholung der krisengebeutelten Wirtschaft. Aber das kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Belastungen für Unternehmen nach wie vor sehr hoch sind und auch schon Jahre andauern. Zum Ausdruck kommt das u.a. bei den Insolvenzzahlen, die wir kürzlich erhoben und analysiert haben. Die sind

2025 um 8,5 Prozent gegenüber dem Jahr zuvor angestiegen und haben ein Allzeitjahreshoch erreicht. Eine interessante Statistik dazu: Im Vorjahr standen im Schnitt sechs Firmengründungen einer Privatinsolvenz gegenüber. 2021 war das Verhältnis noch wesentlich erfreulicher, mit 15 zu 1. Kurzum: Die Gesamtlage bleibt trotz der kurzfristig freundlichen Wirtschaftsprognose prekär. Wie reagieren Österreichs Unternehmen auf die allgemeine Verunsicherung und die schwierigen Rahmenbedingungen? Gerald Eder-Schmidinger. Idealerweise mit erhöhtem Risikobewusstsein. Fakt ist nämlich, dass die Geschäftsrisiken immer schneller entstehen, vielfältiger werden und zugleich weniger planbar sind. Risikomanagement ist

demnach das Gebot der Stunde. Und da sind Österreichs Unternehmen im europäischen Vergleich leider im Hintertreffen, wie wir im Vorjahr in einer gemeinsamen Studie mit EY festgestellt haben. Rund 20 Prozent der heimischen Unternehmen haben gar keine Risikomanagementfunktion implementiert, bei etwa 50 Prozent gibt es in diesem Bereich keine Vollzeitkraft. Dabei wäre es essenziell, das Management von Risiken ernst zu nehmen, es zu digitalisieren, Frühwarnsignale einzubauen und für ein laufendes Monitoring zu sorgen. Es reicht einfach nicht mehr, nach Bauchgefühl zu agieren. Denn nur wer

sich über Risiken schnell informieren und die Folgen einschätzen kann, bleibt handlungsfähig. Zu den Geschäftsrisiken, die in der Regel gerade in schwierigen wirtschaftlichen Phasen an Relevanz gewinnen, zählt Betrug. Merken Sie diesbezüglich in Österreich ein Ansteigen der Fälle? Eder-Schmidinger. Leider ja. Festmachen lässt sich das zum Beispiel an Scheinfirmen, die großen gesamtwirtschaftlichen Schaden anrichten. Deren Anzahl hat sich 2025 verdoppelt. Das Problem ist branchenübergreifend und betrifft das Baugewerbe ebenso wie den Telekom- oder Bankensektor. Zu einer großen Herausforderung ist auch der Online-Betrug im E-Commerce geworden,

von dem rund zwei Drittel aller Online-Shops bereits zumindest einmal betroffen waren. Die Betrugsformen werden immer vielfältiger und professioneller. Künstliche Intelligenz verschärft die Lage. Andererseits können wir aber KI auch nutzen, um Betrug besser zu detektieren, etwa bei der Erkennung von Deepfake oder Verfahren zur Prüfung der Identität. Stichwort KI und Digitalisierung: Damit Unternehmer ihre Entscheidungsprozesse effizienter gestalten können, braucht es eine up-to-date-Datenkultur. Worauf kommt es da besonders an? Eisner-Schwarz. Das Schlüsselwort lautet Vernetzung. Je mehr Unternehmensdaten miteinander vernetzt sind, umso besser. Ziel ist es,

ein 360-Grad-Bild zu generieren, das als Entscheidungsgrundlage dient. Erst auf der optimalen Vernetzung kann Data Analytics aufsetzen, um die Information zu verstehen und effizient zu verwerten. Unternehmer müssen in Zeiten rasanter Veränderungen ihre Prozesse so schnell wie möglich adaptieren können. Wer Daten sagt, muss zugleich vom Datenschutz sprechen. Daten betreffen Menschen und Menschen müssen geschützt werden. Der Datenschutz ist somit kein Randthema, sondern von existenzieller Bedeutung. Datenschutz wird oft als bürokratische Hürde wahrgenommen, kann aber bei richtiger Umsetzung den Unternehmenserfolg durch Vertrauensaufbau fördern. Eine Missachtung

der DSGVO führt hingegen zu erheblichen Risiken. Mit Daten und Vertrauensaufbau hat auch der große Komplex der Nachhaltigkeit zu tun. Wobei man den Eindruck haben könnte, dass dies in wirtschaftlichen Krisenzeiten weniger thematisiert wird. Eder-Schmidinger. Es mag sein, dass das Thema gerade nicht en vogue ist. Tatsache ist aber, dass Nachhaltigkeit und ESG Eckpfeiler zukunftsfitter Unternehmen sind. Nachhaltigkeit als integralen Bestandteil der Geschäftsstrategie zu verankern, ist heutzutage unerlässlich. Und es ist kein Nice-to-have mehr, sondern ein klarer Erfolgsfaktor. Wir haben im Vorjahr eine große Studie

zur Nachhaltigkeits-Performance von 420.000 österreichischen Unternehmen vorgestellt. Die Ergebnisse zeigen eindrucksvoll: Wer nachhaltig wirtschaftet, ist stabiler, erfolgreicher und besser für die Zukunft gerüstet. Es gibt einen klaren Zusammenhang zwischen ESG-Performance und wirtschaftlichem Erfolg. Unternehmen mit einer guten ESG-Bewertung sind laut Studie nicht nur um 15 Prozent stabiler, sondern erwirtschaften auch 69 Prozent des Gesamtumsatzes aller untersuchten Firmen. Die Conclusio: Nachhaltigkeit ist kein Kostenfaktor, sondern ein strategischer Wirtschaftstreiber. Und gerade in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit – geprägt von Inflation, steigenden Kosten und Insolvenzen – bietet Nachhaltigkeit Wettbewerbsvorteile.

Der ESG-Indikator und der CRIF-Score liefern eine fundierte Grundlage für unternehmerische Entscheidungen. Eine bedeutende Rolle spielen auch ESG-Rating-Agenturen. CRIF ist diesbezüglich selbst unter die Agenturgründer gegangen. Können Sie uns Details dazu verraten? Eisner-Schwarz. Unsere Gruppe ist Ende 2025 mit CRIF Synesgy Ratings, einem technologiegetriebenen Spin-off mit Sitz in Bologna, an den Start gegangen. Der Wirkungsbereich ist global, mit starkem Fokus auf die EU. Die Agentur versteht sich als strategischer Partner für die ESG-Transformation und liefert robuste, transparente und leicht zugängliche ESG-Daten, Scores und Ratings für

Banken, Versicherungen und Investoren, sowie öffentliche Institutionen und Unternehmen. Die Bandbreite reicht von Bewertungen, die Millionen von Geschäftspartnern abdecken können, bis hin zu maßgeschneiderten Detailanalysen, die sowohl regulatorische Anforderungen als auch strategische Entscheidungen unterstützen. Ein Alleinstellungsmerkmal ist die Fähigkeit, unterschiedlichste Datenquellen zu integrieren – von Unternehmensinformationen über öffentliche und private ESG-Daten bis hin zu Klima- und makroökonomischen Szenarien sowie langfristigen Entwicklungen. Dies ermöglicht eine umfassende Abdeckung der ESG-Bewertung, einschließlich kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU) sowie Einzelunternehmen. Hier schließt sich also der Kreis von Datenvernetzung, Nachhaltigkeit

und wirtschaftlicher Fitness.

Risikomanagement, Österreich, Wirtschaft, Insolvenzen, ESG, Betrug, Digitalisierung

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

Are you human? Please solve:Captcha


Secret Link