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Steinfurther Züchter gewinnt Goldene Rose in Baden-Baden

StartseiteLokales Steinfurther Züchter gewinnt Goldene Rose in Baden-Baden Stand: 29.06.2026, 08:06 Uhr Von: Hedwig Rohde Jannik Dräger hat beim weltweit bedeutendsten Rosenwettbewerb mit seiner Neuzüchtung „Candy Cloud” die höchste Auszeichnung erhalten. Der 28-Jährige setzte sich gegen 153 Konkurrenten durch. Bad Nauheim-Steinfurth – Obwohl die Zeiten vorbei sind, als im ältesten deutschen Rosendorf Steinfurth 40 große und kleine Rosenbetriebe jährlich weit über eine Million Rosenpflanzen produzierten und gefühlt kaum ein Steinfurther nicht in irgendeiner Form in den Rosenanbau involviert war: Wer heute in einem der drei

noch bestehenden Rosenbetriebe aufwächst, verbringt schon als Kind einige Sommerferienwochen auf dem Feld. Jannik Dräger ist da keine Ausnahme, das Handwerk hat er von der Pike auf gelernt. Nach dem Abitur absolvierte er ein Gartenbau-Studium in Geisenheim mit Bachelorabschluss. Während Corona musste er im väterlichen Betrieb voll durchstarten, denn dort boomte das Geschäft. 200 Sorten jährlich verkauft Während des Lockdowns weitgehend auf die häuslichen vier Wände beschränkt, entdeckten viele ihren Balkon und Garten (wieder) als Betätigungsfeld und deckten sich in den als systemrelevant offen gebliebenen

Gartenbetrieben und Baumärkten mit Schönem und Nützlichem ein. Seit 2021 ist Jannik Mitinhaber des väterlichen Betriebs Gerhard Dräger in Steinfurth. Selbst wenn sie im Sprachgebrauch häufig pauschal als Rosenzüchter bezeichnet wurden: Wirklich gezüchtet wurde in den Steinfurther Betrieben kaum. In der Regel wurden (und werden) Lizenzen von anderen Züchtern erworben und damit Pflanzen für Verkauf und Versand produziert. Auch Janniks Großvater Heinrich Dräger arbeitete nach diesem Prinzip und verlegte sich auf den Großhandel. 150.000 Rosenpflanzen, verteilt auf 200 Sorten, verkaufte er jährlich. Janniks Vater Gerhard

führt den Betrieb fort, hat inzwischen 600 Sorten im Angebot und produziert jährlich 250.000 Pflanzen, 80 Prozent davon als Containerrosen, weil die sich über Baumärkte und Gartencenter gut absetzen lassen. „Der Kunde sieht, was er kauft“, erklärt Jannik Dräger den wesentlichen Unterschied zu wurzelnackten Rosenpflanzen. Der 28-Jährige hat einen Satz seines Vaters immer noch im Ohr: Wenn er älter sei und mehr Zeit habe, wolle er mit dem Züchten anfangen. So lange wollte der Sohn nicht warten, las schon während Schulzeit und Studium, was immer

er über das Züchten von Rosen erfahren konnte. „Dabei habe ich gesehen, wie einfach das ist, denn die Rose hat das Glück, zugleich männlich und weiblich zu sein“, erklärt Jannik Dräger und stürzt sich voller Begeisterung in die Darstellung der Feinheiten biologischer Prozesse (siehe Infokasten). Vorlaufzeit von mehreren Jahren Bei der Auswahl von „Müttern“ und „Vätern“ achtet der junge Züchter auf den „wichtigsten Faktor Gesundheit“, auf den Duft (der häufig in Konkurrenz zur Gesundheit stehe) und die Menge der vorhandenen Pollen. 10.000 Kreuzungen nimmt er

pro Jahr vor, maximal 500 schafft er in drei Abendstunden, denn bislang kommt sein Hobby Zucht erst nach den Erfordernissen des Alltagsgeschäfts, in das er ebenso wie die 15 bis 20 Mitarbeiter des Betriebs voll eingebunden ist. Nach dem Prinzip von „Trial and Error“ kreuzt er die geeignet erscheinenden der im Betrieb vorhandenen 600 Sorten bunt durcheinander, gewinnt aus den Samen jährlich 12.000 bis 15.000 Pflänzchen, aus denen er wiederum seine Kandidaten für die Veredelung wählt. Nach einer Vorlaufzeit von sechs bis zehn Jahren hält

er mit Glück eine vielversprechende Neuzüchtung in der Hand. Konkret waren es bei ihm zuletzt jeweils ein bis zwei Neuzüchtungen jährlich. Ein Händchen fürs Züchten hat Jannik Dräger offensichtlich: „Candy Cloud“ ist bereits seine sechste Züchtung. Er reiht sich damit in die Riege von fünf zumeist wesentlich größeren Betrieben in Deutschland (und nur etwa 30 weltweit) ein, die die Mühen der jahrelangen Züchtungsprozesse auf sich nehmen. Auf Betreiben seiner Tante Manuela Dräger hat Jannik vor zwei Jahren fünf neugezüchtete Pflanzen für den Wettbewerb in Baden-Baden

eingereicht. Die Pflanzen werden dort in Testbeeten mehrfach jährlich begutachtet. Beim zweiten (eintägigen) Wettbewerbsteil geht die Jury in mehreren Gruppen herum und bewertet jede Pflanze ebenfalls nach einem strengen Kriterien- und Punktekatalog – anonym selbstverständlich, denn die Namen der jeweiligen Züchter bleiben geheim. 153 Rosen waren für den diesjährigen Contest in Baden-Baden eingereicht, über 60 allein in der großen Gruppe der Beetpflanzen. Dass seine „Candy Cloud“ trotz der starken Konkurrenz mit einer hervorragenden Bewertung nicht nur die Goldmedaille für den Gruppensieg errang, sondern darüber hinaus

als insgesamt bestbewertete unter 153 Rosen die „Goldene Rose“: Das ist ein Triumph für den jungen Züchter – und ein starker Impuls für das Rosendorf Steinfurth.

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