Trotz Waffenruhe: Eskalation zwischen Israel und Hisbollah hält an

Das US-Außenministerium erklärte am Freitag nach zweitägigen Verhandlungen zwischen dem Libanon und Israel, die Verlängerung der Waffenruhe solle Zeit für weitere „Fortschritte“ bei der Suche nach einer dauerhaften Friedenslösung geben. Kurz nach Bekanntgabe der Feuerpause wurden mindestens sechs Menschen im Süden des Libanons bei einem israelischen Angriff getötet, während die Hisbollah Drohnenangriffe auf den Norden Israels flog. Die brüchige Feuerpause gilt seit dem 17. April und wäre eigentlich am Sonntag ausgelaufen. US-Außenamtssprecher Tommy Pigott sagte am Freitag, die Gespräche zwischen Israel und dem Libanon sollten
am 2. und 3. Juni fortgesetzt werden. Bereits am 29. Mai wolle das US-Verteidigungsministerium zudem Militärvertreter aus beiden Ländern zusammenbringen. US-Außenamtssprecher Pigott fügte an, die Gespräche sollten „dauerhaften Frieden“ zwischen Israel und dem Libanon, eine vollständige Anerkennung der Souveränität und territorialen Integrität beider Länder und „echte Sicherheit entlang ihrer gemeinsamen Grenze“ erreichen. Der israelische Botschafter in Washington, Yechiel Leiter, erklärte nach den Gesprächen, es müsse die Sicherheit seines Landes garantiert werden. Er fügte an: „Es wird Höhen und Tiefen geben, aber das Potenzial für Erfolg
ist riesig.“ Die libanesische Delegation äußerte die Hoffnung auf „dauerhafte Stabilität“ und bezeichnete die Waffenruhe als „entscheidende Atempause für unsere Bürger“. Hisbollah lehnt die Gespräche ab Ungeachtet der Feuerpause hatten Israel und die schiitische Hisbollah-Miliz im Libanon ihre gegenseitigen Angriffe bereits in den vergangenen Wochen fortgesetzt. Die von Teheran unterstützte Hisbollah lehnt die Gespräche in Washington ab, die ohne ihre Beteiligung stattfinden. Israel wiederum hat erklärt, weiter Hisbollah-Ziele angreifen zu wollen. Noch während die zweitägigen Gespräche in Washington stattfanden, rief die israelische Armee die Bevölkerung
der südlibanesischen Stadt Tyros dazu auf, die Stadt wegen bevorstehender Angriffe auf Hisbollah-Infrastruktur zu verlassen. Ein Korrespondent der Nachrichtenagentur AFP hörte in der Folge eine Reihe von Einschlägen. Die Hisbollah meldete derweil neue Drohnenangriffe auf israelische Kasernen in der grenznahen nördlichen Stadt Kirjat Schmona, die seit Monaten wiederholt unter Beschuss stand. Israel meldete am Samstag zudem den Tod eines Soldaten im Süden des Libanon. Seit dem 2. März wurden damit insgesamt 21 Israelis im Libanon getötet – 19 Soldaten und ein Zivilbeschäftigter der Armee. Auch
am Samstag berichtete Libanons staatliche Nachrichtenagentur NNA von israelischen Angriffen auf mindestens fünf Dörfer im Süden des Landes, in denen die Menschen zuvor einem Evakuierungsaufruf gefolgt waren. Am Sonntag meldetet die staatliche libanesische Nachrichtenagentur NNA israelische Luftangriffe auf die Ortschaft Sohmor in der östlichen Bekaa-Region sowie in den südlichen Regionen Nabatije und Tyros. 400 Tote seit Beginn der Waffenruhe Der Libanon war Anfang März in den Iran-Krieg hineingezogen worden. Als Reaktion auf die Tötung des obersten iranischen Führers Ayatollah Ali Chamenei feuerte die Hisbollah Raketen
auf Israel ab. Israel flog daraufhin massive Angriffe auf Teile des Libanon und schickte Bodentruppen über die Grenze. Seit der Eskalation der Gewalt sind nach libanesischen Angaben bei israelischen Angriffen mehr als 2.900 Menschen im Land getötet worden – davon mehr als 400 seit Beginn der Waffenruhe vor rund einem Monat. Israel und der Libanon unterhalten keine diplomatischen Beziehungen und befinden sich formell seit 1948 im Kriegszustand. Der Hisbollah-Abgeordnete Hussein Hadsch Hassan erklärte am Sonntag, die direkten Verhandlungen mit Israel hätten den Libanon „in eine
Sackgasse getrieben“. Die libanesische Regierung habe „das Land in eine sehr schwere Krisen gestürzt“, da sie nicht umsetzen könne, was Israel wolle – „insbesondere, was die Entwaffnung der Hisbollah betrifft“. Libanons Regierungschef Nawaf Salam warf der vom Iran finanzierten Miliz vor, den Libanon in einen neuen „unverantwortlichen“ Krieg hineingezogen zu haben. UN-Generalsekretär António Guterres rief „alle Akteure nachdrücklich auf, die Einstellung der Kampfhandlungen uneingeschränkt zu respektieren“.
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