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Hinrichtungen auf Höchststand: Iran treibt Rekord weiter

Die Zahl der Hinrichtungen weltweit ist laut der Menschenrechtsorganisation Amnesty International (AI) so hoch wie seit mehr als 40 Jahren nicht mehr. Für diesen Negativrekord ist laut einem aktuellen Bericht der NGO zur Anwendung der Todesstrafe eine kleine Gruppe von Ländern hauptverantwortlich – allen voran der Iran. Schätzungen zufolge vollzieht China die meisten Hinrichtungen weltweit – die genaue Zahl ist allerdings Staatsgeheimnis. Mindestens 2.707 Menschen wurden im vergangenen Jahr hingerichtet, das ist die höchste Zahl seit 1981 und ein Anstieg von 78 Prozent im Vergleich

zum Vorjahr. Für diesen Negativrekord ist der Iran hauptverantwortlich. Die Islamische Republik hat laut AI-Jahresbericht 2025 mindestens 2.159 Menschen hingerichtet – mehr als doppelt so viele wie 2024. 93 Prozent aller Hinrichtungen wurden vom Iran und Saudi-Arabien vollzogen. Laut Bericht von Amnesty International setzt eine kleine Gruppe von Ländern die Todesstrafe gezielt ein, um die Bevölkerung einzuschüchtern und ein Klima der Angst zu schaffen. Gewisse Länder, so Amnesty International, würden dadurch ihre Macht demonstrieren und Kontrolle ausüben wollen und über dysfunktionale öffentliche Sicherheit hinwegtäuschen. “Wir

sind zutiefst besorgt über diesen Negativrekord”, so die Geschäftsführerin von Amnesty International Österreich, Shoura Hashemi. “Wir appellieren an Österreich und die internationale Gemeinschaft, jetzt den Druck auf die hinrichtenden Staaten zu erhöhen.” Nicht erfasst im Bericht von Amnesty International sind die Hinrichtungen in China, welche AI auf mehrere Tausend pro Jahr schätzt. Entsprechende Daten gelten in China als Staatsgeheimnis, weswegen das tatsächliche Ausmaß der im Land vollstreckten Todesstrafen unklar sei. Damit bleibe China das Land mit den meisten Hinrichtungen weltweit. Ebenfalls gebe es keine verlässlichen

Angaben zur Mindestanzahl an Hinrichtungen in Vietnam und Nordkorea. AI geht laut Bericht davon aus, dass 2025 in den beiden Ländern Hinrichtungen als Bestrafung und Einschüchterung der Bevölkerung vollstreckt wurden. Bei den von Amnesty International veröffentlichten Zahlen handelt es sich nach eigenen Angaben um Mindestwerte. Sie beruhen auf einer Vielzahl von Quellen – darunter offizielle Angaben, Schätzungen, Informationen von zum Tode Verurteilten, deren Angehörigen und Rechtsvertretungen, Medienberichte sowie teils auch Angaben anderer Menschenrechtsorganisationen. Fast die Hälfte aller erfassten Hinrichtungen sei wegen Drogendelikten in fünf Staaten

(China, Iran, Kuwait, Saudi-Arabien und Singapur) vollstreckt worden, berichtet Amnesty International, was gegen internationales Menschenrecht verstoße. In einigen Ländern sei es außerdem zu Bestrebungen gekommen, die Todesstrafe auf Drogendelikte auszuweiten. Grund dafür sei ein vermeintlicher “Krieg gegen Drogen” und der Versuch einiger Länder, eine harte Linie im Kampf gegen Drogen zu demonstrieren. Die Regierungen in Algerien, Kuwait und den Malediven legten letztes Jahr demnach Gesetzesentwürfe vor, um die Todesstrafe auf Drogendelikte auszuweiten. Doch auch andere Länder trieben Bestrebungen voran, die Todesstrafe wieder einzuführen. Der Tschad

und Peru führten eine Kommission ein, die die Wiedereinführung der Todesstrafe prüfen solle. Die Regierung von Burkina Faso nahm eine Gesetzesvorlage an, die die Wiedereinführung der Todesstrafe für Straftaten wie Hochverrat, Terrorismus und Spionage vorsah. Auch in Israel wurde ein Gesetzesvorschlag eingebracht, wonach bei terroristisch motiviertem Mord mit dem Ziel der “Vernichtung des Staates Israel” die Todesstrafe oder lebenslange Haft verhängt werden kann. Das israelische Parlament billigte den Entwurf im März dieses Jahres mit knapper Mehrheit. International wurde der Vorstoß scharf kritisiert, unter anderem wegen

seines diskriminierenden Charakters gegenüber Palästinensern. Trotz des starken Anstiegs an Hinrichtungen im vergangenen Jahr vermerkt Amnesty International auch einen positiven Trend. Während eine kleine Gruppe von Ländern für den Großteil der vollstreckten Todesstrafen verantwortlich sei, setze sich ein genereller Trend hin zur Abschaffung der Todesstrafe fort. In Europa und Zentralasien wurden 2025 weder Todesurteile verhängt noch Hinrichtungen vollstreckt. Hatten im Jahre 1977 nur 13 Staaten die Todesstrafe abgeschafft, sind es mittlerweile 113 Staaten. Belarus, beispielsweise, hat seit 1994 keine Todesstrafe mehr verhängt oder durchgeführt. Die

USA vollstreckte 2025 als einziges Land auf dem Amerikanischen Kontinent die Todesstrafe. Die Hälfte der Hinrichtungen fand im US-Staat Florida statt. Somalia und der Südsudan vollzogen die Todesstrafe als einzige zwei Länder in Subsahara-Afrika, Afghanistan als einziges Land in Südasien und Singapur und Vietnam in der ASEAN-Gruppe (Verband Südostasiatischer Staaten). 96 Prozent der Hinrichtungen in der MENA-Region (Nahost und Nordafrika) wurden vom Iran und Saudi-Arabien durchgeführt. Vietnam schaffte im vergangenen Jahr die Todesstrafe für acht Delikte ab, darunter Drogentransport, Bestechung und Veruntreuung. Gambia schaffte die

Todesstrafe für Mord, Hochverrat und andere Straftaten gegen den Staat ab.

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