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Rems-Murr-Kreis warnt wegen Murrbahn-Knick: weniger Züge und mehr Ausfälle absehbar

Der Rems-Murr-Kreis warnt vor Engpässen auf der Murrbahn: verzögerter Fahrzeugtausch, mehr Konflikte mit Fernverkehr und massive Baustellenbelastung 2027.

Weniger Halte, weniger Komfort: Murrbahn unter Druck Der Kern des Problems liegt in einem geplanten Fahrzeugwechsel.. Eigentlich sollen moderne Züge des Typs Coradia Max auf die Strecke kommen.. Doch die Realität sieht anders aus: Es gibt noch keinen Prototypen, keine Zulassung, keine kurzfristige Perspektive.. Der angepeilte Fahrstart im Herbst 2027 ist laut Einschätzung von Daniel Wiedmann, ÖPNV-Amtsleiter im Waiblinger Landratsamt, mehr als unrealistisch.. Experten wie er befürchten, dass für den Übergang ein Provisorium herhalten muss

– mit spürbaren Folgen.. Fahrzeuge mit zu niedriger Einstiegshöhe sollen einspringen.. Das Ergebnis: Halte in Waiblingen und Winnenden werden ausgedünnt, statt halbstündlich könnte dort nur noch stündlich ein Zug halten.. Für stark frequentierte Stationen ein Rückschritt, der sich wie eine stille Abkopplung anfühlt.. Dabei sind die Züge schon heute überfüllt.. Der RE90, Rückgrat der Verbindung zwischen Stuttgart und Nürnberg, fährt vielerorts am Limit.. Wenn nun auch noch Sitzplätze wegfallen – laut Landkreis drohen langfristig sogar

weniger Plätze pro Zug – dann wird aus Enge schnell Enge mit Ansage.. ICE-Sprinter beschleunigt – Regionalverkehr bremst Doch der Druck kommt nicht nur aus technischen Verzögerungen.. Auch der Fernverkehr greift immer stärker in den Takt der Region ein.. Seit Dezember 2025 rauscht ein ICE-Sprinter durch das Murrtal – schnell, effizient, prestigeträchtig.. Die Fahrzeit von Stuttgart nach Berlin: 4 Stunden 45 Minuten.. Für die Bahn ein Erfolg.. Für die Region ein Störfaktor.. Schon heute müssen

Regionalzüge warten, damit der Fernverkehr freie Fahrt hat.. Morgens, abends, punktuell – noch.. Doch die Gerüchte sprechen von einem deutlich dichteren Takt für den Sprinter.. Mehr Durchfahrten, mehr Vorrang, mehr Stillstand für alle anderen.. Die eingleisige Strecke zwischen Backnang und Schwäbisch Hall-Hessental ist dafür denkbar ungeeignet.. Einer fährt, der andere wartet – doch dieses Prinzip droht zu einer Dauerlösung zu werden.. Wiedmann formuliert es nüchtern: Die Strecke sei „heute schon völlig ausgelastet“.. Und wenn zusätzlich

Züge zur Gäubahn abgezogen würden, verschärfe sich die Lage weiter.. Denn genau das steht im Raum: Bestandsfahrzeuge, die aktuell auf der Murrbahn fahren, könnten künftig andernorts gebraucht werden.. Als wäre das nicht genug, kommt 2027 die nächste Welle.. Von Mitte Mai bis Mitte August wird die Strecke bei Backnang komplett gesperrt.. Gleichzeitig wird die Bundesstraße 14 dichtgemacht.. Schiene und Straße – gleichzeitig blockiert.. Eine Konstellation, die selbst hart gesottene Pendler an ihre Grenzen bringen dürfte..

Baustellen als Belastungsprobe für das Murrtal Ersatzbusse sollen einspringen.. Doch sie stehen im selben Stau wie alle anderen.. Wer ausweichen will, muss Umwege fahren oder Zeit mitbringen.. Viel Zeit.. Der Landkreis spricht von einer „Bewährungsprobe“ – ein Wort, das harmlos klingt für das, was faktisch ein logistischer Ausnahmezustand ist.. Landrat Richard Sigel findet deutlichere Worte.. Die neuen Einschränkungen seien eine „Hiobsbotschaft“ und eine „Zumutung“ für die Menschen im Murrtal.. Gerade weil die Belastung ohnehin schon

hoch sei, brauche es mehr Verlässlichkeit – nicht weniger.. Landkreis fordert Kurswechsel und mehr Kapazität Doch die Einflussmöglichkeiten sind begrenzt.. Der Landkreis kann mahnen, fordern, Druck machen.. Entscheidungen fallen anderswo.. „Rechtzeitig den Finger heben“, nennt Wiedmann das.. Mehr bleibt oft nicht.. Immerhin: Gemeinsam mit den Nachbarlandkreisen hat der Rems-Murr-Kreis ein Positionspapier vorgelegt.. Die Botschaft ist klar: Die Schiene darf nicht weiter geschwächt werden.. Stattdessen braucht es Investitionen, Ausbau, Perspektiven.. Konkret heißt das auch: Bestandsfahrzeuge sollen

auf der Murrbahn bleiben, bis neue Züge tatsächlich verfügbar sind.. Bahnsteige müssten verlängert werden, um längere Züge einsetzen zu können.. Und die Fahrpläne des Fernverkehrs sollten besser abgestimmt werden.. Es sind Vorschläge, die pragmatisch klingen – und doch wie ein Appell wirken.. Denn im Kern geht es um eine Grundsatzfrage: Für wen fährt die Bahn?. Zwischen Anspruch und Realität: Die Verkehrswende stockt Die Landespolitik spricht von Verdopplung der Fahrgastzahlen, von attraktiver Schiene, von Verkehrswende.. Im

Murrtal klingt das wie ein fernes Versprechen.. Vor Ort erleben die Menschen etwas anderes: volle Züge, längere Wartezeiten, unsichere Perspektiven.. Der Kontrast könnte kaum größer sein.. Während Hochgeschwindigkeitszüge Metropolen verbinden, droht die Fläche den Anschluss zu verlieren.. Tempo für wenige, Stillstand für viele – dieses Gefühl zieht sich durch die Region.. Und so bleibt am Ende ein Bild, das sich einprägt: ein Regionalzug, der wartet.. Nicht, weil er zu spät ist.. Sondern weil andere wichtiger

sind.

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