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Netzengpässe in Baden-Württemberg: EnBW warnt vor Versorgungsengpässen

Besonders drastisch zeigt sich die Lage am Beispiel der Region Mittelbaden: Dort entsprechen die seit Jahresanfang eingegangenen Anschlusswünsche der Hälfte des heutigen Spitzenbedarfs der gesamten Region – fünf- bis zehnmal so viel wie erwartet. In einzelnen Regionen machen die Anschlusswünsche 50 bis 60 Prozent der bestehenden Kapazität aus. Der Netzausbau kommt nicht hinterher. Die Planung und der Bau neuer Umspannwerke benötigen etwa fünf Jahre, der Komplettneubau von Hochspannungsleitungen kann bis zu 20 Jahre dauern. Der Netzanschluss werde zum kritischen Standortfaktor, so Güsewell. Der Stromkonzern wehrt

sich gegen den Vorwurf, den Netzausbau verschlafen zu haben. „60 Prozent unserer Investitionen im letzten Jahr – über vier Milliarden Euro – flossen allein in den Netzausbau“, betont EnBW-Manager Güsewell. „Netzbetreiber dürfen allerdings auch nicht über den konkreten Bedarf hinaus und auf Verdacht zubauen, die Bundesnetzagentur überwacht das sehr genau.“ Als Übergangslösung schlägt die EnBW flexible Netzanschlüsse vor. „Ein Industriekunde kann beispielsweise vereinbaren, dass er Kapazität nur nachts zwischen 0 und 6 Uhr nutzt“, erklärt Güsewell. „Er investiert in einen Batteriespeicher, lädt nachts auf und

versorgt sein Werk tagsüber daraus.“ Kritisch sieht Güsewell auch das bisherige Prinzip „First Come, First Serve“, nach dem Netzkapazität heute vergeben wird: Wer zuerst einen Antrag stellt, wird zuerst bedient. „Das ist nicht sinnvoll, wenn Netzkapazität ein knappes Gut ist“, so der EnBW-Manager. Um den Netzausbau zu beschleunigen, sieht die EnBW vor allem die Politik in der Pflicht. Güsewell begrüßt die im Koalitionsvertrag der neuen Landesregierung vorgesehene ressortübergreifende Taskforce zur Beschleunigung von Genehmigungen.

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