Tschernobyl und das Ende der Zukunft: Atomkraft als Ausweg

Wie Tschernobyl das kollektive Bewusstsein Europas prägte – vom „Unfall des Bewusstseins“ bis zum „anthropologischen Schock“.
„In einer Nacht gelangten wir an einen neuen Ort der Geschichte.. Wir sprangen in eine neue Realität, und diese Realität überstieg nicht nur unser Wissen, sondern auch unsere Einbildungskraft.“ Dies schreibt die belarussische Schriftstellerin und Literaturnobelpreisträgerin Swetlana Alexijewitsch im Vorwort von „Tschernobyl.. Eine Chronik der Zukunft“.. Die Reaktorhavarie in der Nacht des 26.. April 1986 markiere als „Unfall des Bewusstseins“ eine Leerstelle des Verstehens.. Der Super-GAU wurde häufig mit einer kulturellen Ruptur in Verbindung gebracht.. Der Soziologe Ulrich Beck sprach von einem „anthropologischen Schock“.. Im kollektiven Imaginären der europäischen Gesellschaften zirkuliere die Katastrophe bis heute als eine Chiffre für technische Hybris, Kontrollverlust und Tod, so der Literaturwissenschaftler Lars Koch, als ein Menetekel für ungenügendes Risikokalkül und unsichtbare Gefahren.
Tschernobyl, Swetlana Alexijewitsch, Unfall des Bewusstseins, Ulrich Beck, anthropologischer Schock, Risiko kalkül, kulturelle Ruptur