SAP-Aktien im Tief: Rebound-Potenzial nach KI-Schock

Nach kräftigen Kursverlusten liefern Argumente für SAP: KI-Integration, Burggraben, starke Cashflows und Kaufempfehlungen. Rebound möglich.
Das Wettrüsten im Bereich der künstlichen Intelligenz und die enormen Modellfortschritte haben bei Softwareaktien zu massiven Kurskorrekturen geführt.. Die Ängste der Anleger sind nachvollziehbar.. So hat etwa Meta die Investitionsausgaben für das laufende Geschäftsjahr auf 125 bis 145 Milliarden Dollar erhöht.. An diese finanzielle Feuerkraft kommt derzeit kein Softwarekonzern heran.. Noch beeindruckender: Die Umsätze der grössten Softwareunternehmen liegen oft unter dieser Investitionssumme.. Salesforce erwirtschaftet beispielsweise «nur» 46 Milliarden Dollar im Jahr, SAP 40 Milliarden Euro..
Gleichzeitig verbessern sich die KI-Modelle mit gefühlter Lichtgeschwindigkeit.. Laut Daten der KI-Plattform epoch.ai benötigte ein Mensch für eine Aufgabe, die GPT-2 (die Version aus dem Jahr 2019) mit einer Erfolgsrate von 50 Prozent bewältigte, etwa zwei Sekunden.. Heute braucht ein Mensch für eine vergleichbare Aufgabe mit 50 Prozent KI-Erfolgswahrscheinlichkeit bereits über zehn Stunden.. KI-Modelle können mehr und schneller.. Die massiven Investitionen der Metas dieser Welt dürften diese Entwicklung weiter beschleunigen.. Doch nicht alle Softwareprodukte oder
-dienstleistungen sind durch KI einfach ersetzbar – im Gegenteil: Viele Anwendungen profitieren sogar von KI, da sie durch sie effizienter und leistungsfähiger werden.. Dennoch wurden viele Softwareaktien in Sippenhaft genommen und haben in den letzten Monaten teilweise 50 bis 60 Prozent an Wert verloren.. Für Value-Investoren eröffnen sich damit ungewöhnliche Einstiegschancen, zumal der Sektor in der jüngeren Vergangenheit überwiegend hoch bewertet war.. Nicht zu unterschätzende Komplexität und Knowhow Ein Unternehmen, das in diesem Umfeld besondere
Aufmerksamkeit verdient, ist SAP.. In etwas über einem Jahr haben die Valoren des grössten europäischen Softwarekonzerns über 45 Prozent an Wert verloren.. Damit gehören sie zu den schwächeren Titeln im Sektor – europäische Konkurrenten wie Amadeus oder Sage notieren etwa einen Drittel tiefer, US-Peers wie Oracle, die viel in die KI investieren, sind gar im Plus.. Alle Dienstleistungen des 200‑Milliarden-Kolosses über einen Kamm zu scheren, wäre indes falsch.. SAP bietet Software für die Steuerung von
Geschäftsprozessen in unterschiedlichsten Bereichen wie Finanzen, Einkauf, Produktion, HR oder Verkauf an.. Da es sich bei den SAP-Kunden meist um grosse oder mittlere Unternehmen handelt, sind die abgebildeten Prozesse entsprechend komplex.. Neben den cloudbasierten Abonnementmodellen erzielt SAP zudem Erlöse mit der Beratung, dem Support und der Implementierung dieser Software.. Dieses Geschäftsmodell soll nun von der KI abgelöst werden und das Wachstum beim Softwarekonzern sinken – so die Angst der Anlegerinnen und Anleger.. Doch bedeutende Effizienz-
und Profitatbilitätssteigerungen bei komplexen Unternehmen umsetzen zu können, ist nicht so einfach – dafür braucht es Prozessverständnis und branchenspezifisches Knowhow.. Ein Algorithmus alleine reicht nicht.. Wachstumsängste und Erwartungen Nach Einschätzung der UBS impliziert der aktuelle Aktienkurs von SAP ein langfristiges Wachstum von rund 5,5 Prozent pro Jahr.. Das entspricht in etwa dem Durchschnitt der letzten fünf Jahre von 4,8 Prozent.. Die jüngsten Marktschätzungen gehen jedoch davon aus, dass der Softwarekonzern über 10 Prozent pro Jahr
für mindestens die nächsten fünf Jahre wachsen dürfte.. Denn SAP schläft nicht und integriert KI-Modelle in seine Cloud-Dienste und verbindet so sein Prozesswissen mit den neuen Möglichkeiten.. In einer Branchenstudie bewertet die UBS SAP daher mit Bestnoten, wenn es um den sogenannten Burggraben gegenüber der KI-Konkurrenz geht.. Die UBS-Analysten haben drei Faktorgruppen analysiert: das Kundenprofil, den Endmarkt und das Anbieterprofil.. SAP erreicht in drei Bereichen eine sehr gute Bewertung und in den übrigen sieben eine
gute.. Hervorgehoben wird insbesondere die enorme Komplexität des SAP-Systems, das für viele der weltweit grössten Unternehmen als zentrales Rückgrat ihrer Geschäftsprozesse dient.. Hinzu kommen stark differenzierte branchenspezifische Lösungen, vor allem in der Fertigungsindustrie und in kapitalintensiven Sektoren, die nur schwer zu ersetzen sind.. Bereits heute erzielt SAP rund 65 Prozent seiner Umsätze im Cloud-Geschäft, das deutlich höhere Wachstumsraten aufweist als klassische lokale Installationen bei Kunden.. Cloud-Anwendungen erleichtern zudem die Integration von KI und erschweren –
laut UBS – Kunden, externe KI-Lösungen einzusetzen, die nicht von SAP selbst stammen.. Entsprechend hoch fallen die Wachstumserwartungen im Markt aus.. Insgesamt erzielt SAP einen Risikofaktor in der UBS-Studie von 3,5 – nur Dassault und Amadeus sind in der Summe noch leicht besser.. Sage, Nemetschek oder Planisware werden wiederum mit einem Rating von 4 bis 6 Punkten teils deutlich schwächer eingeschätzt.. Unterbewertet und hoher Cashflow Die durch den Kurszerfall herbeigeführte Bewertungskorrektur hat bei SAP inzwischen
ein aussergewöhnliches Ausmass erreicht.. Letztmals war der Konzern nur kurz vor vier Jahren und davor vor mehr als zehn Jahren ähnlich günstig bewertet.. Das vorwärtsgerichtete Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) liegt bei 17,5x und damit unter dem 20‑Jahres-Durchschnitt von 20,4x.. Der tiefste je gemessene Wert lag im Jahr 2011 bei rund 14x.. Auch andere Kennzahlen deuten auf eine spürbare Unterbewertung hin.. Die freie Cashflow-Rendite beträgt derzeit 6,2 Prozent.. Zum Vergleich: Microsoft kommt auf rund 2 Prozent, Apple auf
3,4 Prozent und Meta auf lediglich 0,4 Prozent.. Ohne die enormen Investitionsausgaben von über 125 Milliarden Dollar läge auch Meta bei einer Cashflow-Rendite von etwa 3 Prozent.. Diese hohe Cashflow-Generierung verschafft SAP beträchtlichen finanziellen Spielraum, zumal der Konzern schuldenfrei ist.. Bei einer Dividendenrendite von rund 2,1 Prozent verbleiben etwa 4,1 Prozent für Aktienrückkäufe oder weitere Investitionen, etwa in Übernahmen.. Und genau das nutzt SAP: Das Unternehmen hat kürzlich ein Aktienrückkaufprogramm über 10 Milliarden Euro für
die nächsten zwei Jahre angekündigt.. Das Timing könnte kaum besser sein: Da die Aktien derzeit günstig bewertet sind, können mehr Anteile zurückgekauft und vernichtet werden – was den Gewinn pro Aktie (EPS) stärker steigen lässt.. Tatsächlich erwartet der Marktkonsens ein jährliches EPS-Wachstum von rund 15,3 Prozent bis 2029.. Vor diesem Hintergrund überrascht es kaum, dass die Mehrheit der Analystinnen und Analysten die SAP-Aktien zum Kauf empfiehlt.. 26 Kaufempfehlungen stehen sieben Halten- und lediglich zwei Verkaufsempfehlungen
gegenüber.. Das durchschnittliche Kursziel für die kommenden zwölf Monate liegt rund 45 Prozent über dem aktuellen Niveau, bei den reinen Kaufempfehlungen sogar etwa 50 Prozent darüber.. Das impliziert, dass selbst zurückhaltendere Einschätzungen nur moderat unter dem aktuellen Kurs liegen.. Value-Investoren dürften schnell merken, dass die Mischung aus (für europäische Unternehmen) hohem Wachstum, niedriger Bewertung und finanzieller Stärke selten zu finden ist.. Insgesamt scheinen bei SAP derzeit die Chancen die Risiken zu überwiegen – trotz momentaner
Anlegerängste.
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