Pedro Pascal bis Trump: Woher kommt der «Daddy»-Begriff?

Der „Daddy“-Begriff reicht von queeren Subkulturen bis zum Mainstream. Pedro Pascal prägte das Bild, während sogar Trump den Spitznamen trägt.
Wer in den vergangenen Jahren bei einem Post von oder mit Schauspieler Pedro Pascal die Kommentare öffnet, liest den Begriff tausendfach: «Daddy!» Pascal hat keine Kinder.. Es sind meist Frauen und queere Fans, die den 51-Jährigen so nennen.. Hunderte Creators unterlegen Videos von Pascal (oder sich selbst) mit dem Song «Father Figure» von George Michael.. Seit seinem Auftritt in «The Mandalorian» 2019 gilt Pascal offiziell als der «Daddy» des Internets.. Das bestätigte er in der
«Graham Norton Show» bereits selbst.. In einem Interview mit «Vanity Fair» machte er 2022 klar, dass man keine Kinder haben muss, um ein Daddy zu sein, und sagte verwegen in die Kamera: «Daddy ist eine Lebenseinstellung, verstehst Du?. Ich bin Dein Daddy.» Was macht Pascal zum Inbegriff des Daddy-Archetyps?. Einerseits seine Rollen: In «The Mandalorian» kümmert er sich rührend um das kleine Wesen Grogu, in «The Last of Us» beschützt er Teenagerin Ellie in einer
zerstörten Welt.. Seine Attraktivität speise sich aus einer Mischung aus Fürsorglichkeit, Verletzlichkeit und Haltung, erklärt die Medienwissenschaftlerin Sophie Einwächter gegenüber der DPA.. Pascal stehe «für eine positive, spielerische, nicht perfekte und darum für Frauen und Minderheiten ‹sichere› Männlichkeit».. Ein Daddy ist weder toxischer Alpha noch unreifer Junge, sondern eher ein gestandener Mann mit Lebenserfahrung und Aura, die ausstrahlt: Alles wird gut.. Woher stammt der Daddy-Begriff?. Als Slang für einen Liebhaber oder Versorger taucht das Wort
schon vor Jahrzehnten auf, etwa im Blues und im Kontext des «Sugar Daddy».. Das US-Wörterbuch Merriam-Webster verortet diese frühen Bedeutungen im African-American Vernacular English, das Afroamerikaner und Afroamerikanerinnen sprechen.. Der heutige Daddy ist aber mehr durch queere Subkulturen geprägt worden.. Der Linguist William Leap hat alte Listen schwuler Vokabeln untersucht.. In Wortschätzen der ersten Hälfte des 20.. Jahrhunderts taucht «Daddy» noch nicht auf, erklärt er gegenüber der «Washington Post».. Erst ab den Sechzigerjahren werde der
Begriff in homosexuellen Communitys gängig.. Besonders prägend war dabei die Leather-Szene: eine schwule Subkultur, die mit Lederkleidung, männlichem Auftreten und BDSM verbunden ist.. Ein «Leather Daddy» ist dort ein älterer, erfahrener Mann, der jüngere Männer in die Szene einführt – als Mentor und Beschützer, aber auch als sexueller Partner.. Genau diese Mischung aus Fürsorge und Autorität ist es, die man heute einem Mann wie Pedro Pascal zuschreibt.. Über Songtexte, Memes und Social Media ist der
Begriff in den Mainstream gewandert.. Schon 1968 sang die britische Band The Zombies «What’s Your Name?. Who’s Your Daddy?», heute kommt der Daddy in Songs von Beyoncé, Lana Del Rey und Doja Cat vor.. «Call Her Daddy»: Sogar Frauen und Trump sind jetzt Daddys Mittlerweile kann fast jeder ein Daddy sein: auch Unternehmerin Alex Cooper mit ihrem Podcast «Call Her Daddy».. Der Name ist eine bewusste Aneignung Coopers – ein Begriff, der lange für männliche
Macht stand, gehört jetzt einer Frau.. Coopers Show ist heute einer der meistgehörten Podcasts auf Spotify.. Und dann gibt’s da noch einen absurden Daddy-Moment der jüngeren Geschichte: Donald Trump.. Am Nato-Gipfel 2025 verglich der US-Präsident den Konflikt zwischen Iran und Israel mit Streithähnen auf dem Pausenplatz.. Generalsekretär Mark Rutte ergänzte augenzwinkernd: «Daddy muss manchmal hart durchgreifen, damit sie aufhören.» Trump nahm den Spitznamen sichtlich erfreut an.. Wenig später druckte sein Wahlkampfshop «Daddy»-Shirts mit seinem Bild..
Was Trumps Anhängerschaft als väterliche Autorität verstand, klang in queeren Ohren ganz anders.. Als der republikanische Senator Jonathan Lindsey im Senat von Michigan vorschlug, den Präsidenten offiziell «Daddy Trump» zu nennen, konterte sein schwuler demokratischer Kollege Jeremy Moss trocken: «Du willst gar nicht wissen, was Daddy in meiner Community bedeutet.» Kritik am Daddy-Begriff Nicht alle feiern den Daddy-Hype: Männliche Stars würden objektifiziert und sexualisiert, so die Kritik.. Pascals Co-Star Bella Ramsey sagte einst, sie wolle
ihn schützen «vor diesem Witz, der Internet-Daddy zu werden».. Auch Pascal selbst wirkt laut Interpretationen von Fans vereinzelt genervt von der ständigen Sexualisierung in Interviews.. Die Kulturkritikerin Soraya Roberts ordnet das Phänomen für das Magazin «Longreads» ein und findet: Es greife zu kurz, den Daddy-Begriff einfach als Umkehrung der Männerlogik zu sehen.. «Wo der männliche Blick (Male Gaze) die Frau aufs Fleisch reduziert, gibt der weibliche Blick (Female Gaze) dem Mann mehr Tiefe», schreibt Roberts..
Frauen sähen in einem Pedro Pascal nicht ein Objekt, sondern ein Modell für die Männlichkeit, die sie sich wünschen.. Fest steht: Der Daddy ist mittlerweile kein fixer Archetyp mehr, sondern befindet sich irgendwo zwischen Vaterfigur, Internet-Crush, Mentor und queerem Code.. Je nachdem, wer «Daddy» sagt und wer «Daddy» hört, kann damit Fürsorge oder Macht gemeint sein, ein Augenzwinkern oder eine Sexfantasie.. Oder, wie Pedro Pascal sagt: eine Lebenseinstellung.
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