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Orgelkonzert in der Stadtpfarrkirche Landeck: „Soli Deo Gloria“

Am 29. April spielte Peter Waldner in Landeck auf der Pirchner-Orgel barocke Musik von Bach, Muffat und Buxtehude. Ein Konzert zwischen Ehre Gottes und klanglicher Regeneration.

Am 29. April hat Peter Waldner in der Stadtpfarrkirche Landeck die „Pirchner-Orgel“ in den Mittelpunkt gerückt. Unter dem Titel „Soli Deo Gloria“ spannte er dabei einen barocken Bogen von Bach bis Buxtehude.

LANDECK.. Die mechanische Schleifladenorgel aus dem Jahr 1977, gefertigt in der Werkstatt Reinisch-Pirchner, war beim Orgelkonzert von Anfang an mehr als nur ein Instrument.. Sie bildete das klangliche Zentrum des gut einstündigen Programms in der Kirche Mariä Himmelfahrt – mit einem Ton, der die oft filigrane Musik des Barocks besonders klar hervortreten lässt.. Waldner, der als international anerkannter Spezialist für Alte Musik gilt, lenkte den Abend zugleich inhaltlich und musikalisch: „Soli Deo Gloria“ – „Allein Gott sei Ehre“ – war nicht nur Motto, sondern Rahmen für die Auswahl und Deutung der Werke.

Waldner verbindet Musik und persönliche Haltung.. Er ist Studienkollege des Landecker Dekans Martin Komarek und nannte zu Beginn des Konzerts die gemeinsame Basis: Während Komarek sich später der Theologie zuwandte, konzentrierte sich Waldner auf die Aufführungspraxis der Alten Musik.. Seit vielen Jahren ist er zudem in Innsbruck tätig, lehrt seit den 1990er Jahren am Tiroler Landeskonservatorium und ist seit fast 40 Jahren Organist der Pfarrkirche Mariahilf.. Diese Erfahrung spürte man im Umgang mit den Stücken: nicht laut, sondern präzise, mit Sinn für Linien und Übergänge.

Dass sein Schwerpunkt stark auf Johann Sebastian Bach liegt, zeigte sich bereits im Programmaufbau.. Waldner stellte heraus, dass „barocke Musik immer zur Ehre Gottes“ erklinge – und verwies darauf, dass Bach zahlreiche Werke unter dieses Leitprinzip gestellt habe.. In einem zweiten Gedankengang verband er die religiöse Dimension mit einer fast spürbar praktischen Wirkung: Barocke Musik könne die Seele „ausgleichen und regenerieren“.. Gerade in einer Zeit, in der viele Menschen eher nach Ablenkung suchen als nach Ruhe, klang diese Aussage an diesem Abend wie eine Einladung, langsamer zu hören.

Auch wenn das Konzert inhaltlich stark auf Bach ausgerichtet war, begann es mit einem Werk von Georg Muffat.. Waldner beschrieb Muffat als Musiker, der „verschmilzt verschiedene Nationalstile zu einer neuen Synthese“.. Damit gab er dem Abend gleich zu Beginn eine Brücke: Barocke Orgelmusik ist nicht nur „alt“, sondern auch vernetzt – entstanden aus unterschiedlichen Traditionen, die sich in Klang und Satztechnik gegenseitig befruchten.

Es folgten Kompositionen, die den barocken Klangraum weiter öffneten: Ein Werk von Dietrich Buxtehude – oft mit der mitteldeutschen Orgelschule in Verbindung gebracht – sowie ein Stück von Johann Gottfried Walther, dem Vetter von Bach.. In der Gesamtschau wurde deutlich, dass „Soli Deo Gloria“ hier nicht als starres Dogma verstanden wurde.. Vielmehr zeigte sich eine musikalische Logik: Motive greifen ineinander, Themen werden variiert, und die Orgel wird zum Ort, an dem Struktur und Ausdruck gleichzeitig zählen.

Den offiziellen Konzertteil beendete Waldner mit der berühmten „Toccata und Fuge“.. Das Stück steht seit Generationen für Ausdrucksstärke und musikalische Kraft – und Waldner machte dabei genau diesen Eindruck spürbar.. Seine Einordnung war klar: „In Ausdrucksstärke, Genialität und musikalischer Kraft kann dieses Werk nur von Bach stammen“, sagte er.. Der Schluss wirkte deshalb nicht wie ein bloßer Programmpunkt, sondern wie ein Verdichtungsmoment: ein Stück, das trägt, auch wenn man seine Details nicht vollständig „mitzählt“.

Für die Stadtpfarrkirche in Landeck bedeutete der Abend zugleich mehr als ein Konzerttermin.. Gerade bei Orgeln mit mechanischer Spielweise wird oft hörbar, wie unmittelbar die Verbindung zwischen Hand und Klang sein kann.. Die Pirchner-Orgel bildet dafür eine passende Bühne – und Waldners Zugang machte sichtbar, warum Alte Musik in Kirchenräumen bis heute so häufig funktioniert: Die Architektur unterstützt den Klang, der Rhythmus ordnet den Raum, und die Musik gibt dem Publikum etwas zurück, das man im Alltag selten bekommt – Zeit.

Ob man im Anschluss eher über die Technik spricht oder über die Stimmung, bleibt offen.. Sicher ist: Mit „Soli Deo Gloria“ hat Peter Waldner in Landeck einen Abend gestaltet, der barockes Repertoire nicht nur aufführt, sondern nachvollziehbar erklärt – und dabei spürbar macht, warum solche Programme Menschen gerade dann erreichen, wenn sie nicht nach spektakulären Effekten suchen, sondern nach Substanz.