Germany News

Mordprozess Rostock: Fabians Mutter erinnert sich voller Stolz

Im Mordprozess schildert Fabians Mutter ihren Sohn als liebevoll und zuverlässig. Sie erzählt von Tränen, Umarmungen – und von Beziehungsproblemen, die nach Anklage eine Rolle gespielt haben.

Rostock – Im Prozess um die gewaltsame Tötung von Fabian hat dessen Mutter als Zeugin ausgesagt. Dabei zeichnete sie ein sehr persönliches Bild ihres achtjährigen Sohnes.

„Fabi“: Eine Beziehung voller Aufmerksamkeit

Fabians Mutter beschrieb ihren Sohn unter Tränen als liebevoll und aufmerksam.. Er sei immer zuverlässig gewesen, habe sich rückversichert, ob sein Verhalten „in Ordnung“ sei, und Menschen, denen er vertraut habe, stets umarmt.. „Ich kann einfach nur sagen, dass ich wahnsinnig stolz auf ihn war“, sagte die 31-Jährige vor Gericht.

„Mordprozess“ ist in den letzten Monaten zu einem festen Begriff geworden – für sie bedeutet er jedoch vor allem: Erinnerungen, die nicht verschwinden.. Der Ton im Gerichtssaal wurde in ihrer Aussage spürbar, als sie wiederholt den Spitznamen „Fabi“ verwendete und damit deutlich machte, wie nah der Junge ihr bis heute ist.

Ex-Freundin des Vaters: Bekannte Nähe im Verfahren

Die Tatverdächtige, die wegen Mordes angeklagt ist, war nach Darstellung im Verfahren die Ex-Freundin des Vaters und der Mutter dadurch auch bekannt.. Als die Mutter später in der Verhandlung direkt zu der nur wenige Meter entfernten Angeklagten sprach, wendete sie sich an die Frau mit Worten, die sie nicht verstehe.

Der Richter unterbrach die Sitzung für zehn Minuten. Solche Unterbrechungen gehören in Verfahren zwar zum Ablauf, sie zeigen aber auch: Für Angehörige ist die Distanz zum Geschehen keine Formfrage, sondern emotional kaum zu überbrücken.

Beziehungsprobleme als Kernfrage

Ausführlich ging Fabians Mutter auf die Beziehung zu seinem Vater ein. Sie hatte sich Ende 2018 von ihm getrennt. Der Vater habe sich liebevoll um Fabian gekümmert. Im Jahr 2021 habe dann die Beziehung zwischen dem Vater und der Angeklagten begonnen; Fabian habe sich dort tageweise aufgehalten.

Laut Angaben der Mutter wollte Fabian nach einem Erlebnis nicht mehr dorthin: Er habe gesehen, wie der Vater die Freundin geschlagen habe.. Die Anklage bewertet genau solche Konflikte als zentral – Beziehungsprobleme zwischen dem Vater und der Angeklagten sollen eine entscheidende Rolle gespielt haben.. Die Beziehung habe demnach etwa vier Jahre bis August 2025 gedauert.

Aus ihrer Perspektive klingt das wie ein Bruch, der für ein Kind plötzlich zum Alltag wurde.. Für Erwachsene ist eine Beziehung ein Kapitel; für Kinder kann sie sich dagegen als Verunsicherung in jeder Routine zeigen.. Dass ein Kind sich nach Gewaltbildern abwendet, steht im Widerspruch zu jeder Idee von „Normalität“ – und schafft dauerhaft Spuren im Familienleben.

Warum die Schilderungen jetzt so genau zählen

In der Anklage heißt es zudem, die Angeklagte habe „ziel- und zweckgerichtet“ gehandelt, um mit der Tötung des Jungen einen Streitpunkt in der Beziehung zum Vater aus dem Weg zu räumen. Der Vater habe die Beziehung nicht fortführen wollen, weil er den Kontakt zu seinem Sohn nicht gefährden wollte.

Das Gericht verhandelt damit nicht nur einen einzelnen Vorfall, sondern versucht, ein Geschehen in eine Kette von Entscheidungen und Konflikten einzuordnen.. Aussagen wie die der Mutter sind dabei besonders relevant: Sie liefern keine juristischen Beweise, aber sie machen nachvollziehbar, wie der Junge nach außen wirkte – und welche Bedeutung zwischenmenschliche Spannungen im Alltag haben können.

Verschwunden, gefunden, seitdem Untersuchungshaft

Fabian war am 10. Oktober 2025 verschwunden und vier Tage später tot an einem Teich bei Klein Upahl entdeckt worden, rund 15 Kilometer südlich von Güstrow. Die Angeklagte sitzt seit dem 7. November in Untersuchungshaft. Zu den Vorwürfen hat sie sich bislang nicht geäußert.

Für viele Angehörige endet mit solchen Daten nicht nur die Hoffnung, sondern beginnt ein langer Prozess des Verstehens: Wie konnte es so weit kommen?. Was hat sich über Monate oder Jahre aufgebaut?. Im Gerichtssaal wird dann jede Erinnerung zu einer möglichen Antwort – und gleichzeitig zu einer erneuten Belastung.

Die Aussage der Mutter zeigt jedenfalls deutlich, wie sehr die Frage nach dem „Warum“ an den Anfang jeder Trauer rückt: Nicht abstrakt, sondern an einer ganz konkreten Person, einem Kind, das „zuverlässig“ war, umarmte und sich ständig rückversicherte, ob es richtig gehandelt hatte.