Zurück aus dem All: Artemis-Crew über Schwerkraft und Feuerbälle
Es fühlte sich an wie ein Sprung rückwärts von einem Hochhaus – genau fünf Sekunden lang, und es war einfach herrlich, beschrieb Victor Glover den Wiedereintritt in die Erdatmosphäre. Als die Artemis 2-Crew nach über 50 Jahren das erste Mal wieder in Mondnähe war, war das wohl der Moment, in dem die Realität zurückschlug. Man spürt diesen Feuerball, das Wissen, dass die Kapsel gerade extremen Bedingungen trotzt. Irgendwie unwirklich, wenn man bedenkt, was die vier da gerade hinter sich hatten.
Als dann die Luke im Pazifik aufging, kam die Erleichterung. Christina Koch schrie vor Freude. Es war wohl diese rohe, ungefilterte Emotion, wenn man merkt, dass da wirklich jemand ist, der einen abholt. Reid Wiseman, ebenfalls Teil des Teams, erlebte einen ganz anderen Moment. Er bat um einen Kaplan, als er an Bord des Schiffes war. Und als er das kleine Kreuz am Kragen sah, brachen bei ihm alle Dämme. Das ist schwer zu begreifen, diese enorme Last, die nach so einer Reise plötzlich abfällt.
Man muss sich das mal vorstellen: Die vier – Glover, Koch, Wiseman und Jeremy Hansen – waren in einer Acht um den Mond geflogen. Weiter weg als jemals ein Mensch zuvor. Nach zehn Tagen dann die Landung vor San Diego. Und jetzt? Jetzt ist der Alltag seltsam. Die Schwerkraft nervt, wenn man so will. Christina Koch erzählte, dass sie morgens ständig denkt, sie schwebt noch. Sie ließ ein T-Shirt los und war total verwirrt, als es einfach auf den Boden knallte. Man gewöhnt sich wohl schneller an die Schwerelosigkeit, als einem lieb ist. Oder vielleicht gewöhnt man sich einfach gar nicht daran, zurückzukommen.
Der ganze Trubel mit medizinischen Checks und ständigen Meetings lässt kaum Zeit zum Durchatmen. Wiseman meinte ganz ehrlich: „Wir hatten noch keinen Druckabbau.“ Da ist noch keine Ruhe, keine Zeit, um das Ganze wirklich zu verarbeiten. Vielleicht kommt das erst in ein paar Wochen, oder vielleicht auch nie ganz.
Eines ist sicher: Diese vier sind zusammengeschweißt für die Ewigkeit. „Wir sind als Freunde gestartet und als beste Freunde zurückgekommen“, sagte Wiseman. Das ist mehr als nur ein Job gewesen.
Und während sie noch versuchen, wieder ganz auf der Erde anzukommen, laufen die Vorbereitungen für Artemis 3 schon wieder auf Hochtouren. Der neue NASA-Chef Jared Isaacman drückt ordentlich auf das Gaspedal – nächstes Jahr soll es schon weitergehen. Ob das mit dem Zeitplan so klappt? Nun ja, Wiseman jedenfalls vertraut der Technik voll und ganz. Er würde sich am liebsten sofort wieder in die Kapsel setzen und das System erneut testen. Das Raumschiff hat geliefert, das steht fest.