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Vom Wolf: Mehr als nur eine Rückkehr ins Ösling

Es ist eine Nachricht, die durch die Dörfer im Ösling schwappt wie ein ungewolltes Gewitter: In den Wäldern rund um Wincrange sind sie wieder da, die Wölfe. Oder vielleicht ist es auch nur einer, das ist noch nicht so ganz klar. Was Naturschützer als biologischen Triumph feiern, sorgt bei den Schafzüchtern vor Ort für schlaflose Nächte. Man riecht förmlich die Spannung, wenn man abends in einer der lokalen Kneipen zuhört – eine Mischung aus Abwehr und echter Sorge um das Vieh.

Der Wolf ist hier weit mehr als nur ein Raubtier, er ist ein Spiegelbild unserer Zeit. Er konfrontiert das hochgradig durchgeplante und technisierte Luxemburg plötzlich mit einer Wildnis, die wir lange für erledigt hielten. Da stehen sich zwei Welten gegenüber: Auf der einen Seite die Städter, die den Wolf als Symbol für eine geheilte Natur auf Instagram feiern, und auf der anderen Seite die Landwirte, die ihre Weiden absichern müssen. Ein Zaun von 1,20 Meter Höhe? Das ist für den Wolf ein Witz, für den Bauern aber der Beginn einer täglichen Last. Eigentlich müsste man sich fragen, ob wir in unserem verplanten Luxemburg überhaupt noch Platz für echte Unberechenbarkeit haben.

Die politische Antwort, so berichtet Misryoum, läuft oft auf Managementpläne und Entschädigungen hinaus. Aber mal ehrlich: Geld ersetzt kein Tier, das mit Herzblut aufgezogen wurde. Und so zieht sich die Kluft zwischen dem urbanen Zentrum und dem Norden immer weiter auseinander. Muss der ländliche Raum denn unbedingt als eine Art Freilichtmuseum für die Städter fungieren, bei dem die Regeln in klimatisierten Büros der Hauptstadt festgelegt werden? Das wirkt irgendwie — nun ja, sehr einseitig.

Es ist eine verfahrene Situation, bei der es nicht nur um den Wolf geht, sondern um die Frage, wie wir miteinander umgehen. Die Rückkehr des Tieres könnte eine Chance sein, den Dialog zwischen Stadt und Land neu zu starten. Oder vielleicht zerbricht man auch daran. Der Wolf ist jedenfalls gekommen, um zu bleiben, ob das jetzt jedem gefällt oder nicht.

Wir müssen endlich aufhören, in Märchen zu denken. Es braucht jetzt Pragmatismus, keine ideologischen Grabenkämpfe. Man darf die Ängste der Bauern nicht einfach als rückständig abtun, nur weil das gerade nicht in das hippe Bild einer perfekten Naturschutzwelt passt. Ob wir für diese neue Nachbarschaft wirklich reif sind, muss sich erst noch zeigen. Eigentlich ist es eine einfache Sache, aber eben auch kompliziert. Mal sehen, wie das ausgeht.

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