Verteidigungspolitischer Sprecher der AfD tritt überraschend zurück

Es ist ein Paukenschlag in Berlin, auch wenn die Stimmung schon länger geladen war. Rüdiger Lucassen, bisher der Mann für Verteidigungsfragen in der AfD-Bundestagsfraktion, hat am Montag seinen Rücktritt erklärt. Wenn man durch die Flure des Bundestages geht – es riecht dort meistens nach zu viel Kaffee und alter Luft –, spürt man diese Anspannung fast greifbar. Lucassen selbst spricht in seinem Schreiben an die Fraktionsführung ganz offen von einer »Freund-Feind-Spirale«, in der man sich innerhalb der eigenen Reihen verfangen habe. Ein ziemliches Eingeständnis für jemanden, der eigentlich nach außen Geschlossenheit demonstrieren sollte.
Der Konflikt schwelt schon seit dem Wochenende. Da gab es diesen Ärger zwischen Lucassen und dem aus Thüringen stammenden Torben Braga. Lucassen hatte sich wohl bitter beklagt, dass man ihn aus dem Amt drängen wolle – und warum eigentlich? Weil er als ehemaliger Bundeswehr-Soldat ein Faible für die Wehrpflicht hat, was in Teilen der Partei, besonders im Osten, eher auf skeptische Blicke stößt. Björn Höcke hat ja neulich erst ziemlich deutlich durchblicken lassen, dass Deutschland in seinem jetzigen Zustand seiner Meinung nach gar nicht verteidigungswürdig sei. Das beißt sich natürlich massiv mit Lucassens Linie.
Eigentlich geht es aber um viel mehr als nur um eine Person. Misryoum hat Informationen, dass es tiefgreifende Gräben zwischen ost- und westdeutschen Abgeordneten gibt. Was ist das Ziel? Wollen wir stärker in Richtung der USA und Donald Trumps MAGA-Bewegung rücken, oder doch lieber auf Distanz gehen? Die Themen sind komplex: Der Ukraine-Krieg, Trumps Drohungen gegen Grönland oder auch die Iran-Frage, wo Tino Chrupalla den Abzug der US-Truppen forderte – das sind keine kleinen Meinungsverschiedenheiten.
Lucassen, der aus NRW kommt, sieht die NATO-Mitgliedschaft eigentlich als gesetzt und positiv an. Für viele in der Fraktion ist das mittlerweile wohl zu pro-westlich. Es fühlt sich an, als ob die Partei gerade ihren eigenen Kompass neu ausrichten will – oder vielleicht auch einfach nur im Kreis dreht, wer weiß das schon so genau.
Der Streit um den Kurs war am Ende wohl nicht mehr zu kitten. Er wollte nicht weiter gegen Mauern laufen, das ist klar.
Ob dieser Rücktritt nun Ruhe in die Sache bringt oder nur den nächsten Abschnitt in diesem endlosen Geplänkel einleitet? Das bleibt abzuwarten. Vielleicht ist es auch einfach nur der nächste logische Schritt in einer Partei, die sich in ihren eigenen Widersprüchen verliert. Es wirkt jedenfalls so, als hätte man sich in der Fraktionsspitze vorerst für die lauteren Töne entschieden.