Strukturelle Krise: Bablers umstrittene Pläne für neue Medienförderung

Es ist ein trüber Donnerstag in Wien, der Kaffee in der Tasse ist schon fast kalt, als die Zahlen auf den Tisch kommen. Andreas Babler hat einiges zu tun, das weiß man, aber die Baustelle „Medienförderung“ ist wohl eine der komplexesten. Jetzt liegt eine neue Studie auf dem Tisch, die Misryoum vorliegt und ein eher düsteres Bild zeichnet. Die Analyse, federführend durch das Medienhaus Wien erstellt, spricht Klartext: Der Standort Österreich kämpft mit dem Abfluss von Werbegeldern und einer massiven Abwanderung in Richtung der großen, globalen Plattformen.
Journalismus mit dem Rücken zum Abgrund – so drastisch beschrieb es der Autor der Studie bei der Präsentation. Wenn man sich die Zahlen ansieht, bekommt man fast ein mulmiges Gefühl: Waren 2006 noch über 7.000 Menschen in den Redaktionen tätig, sind es heute schätzungsweise nur noch 4.600 bis 4.800. Ein heftiger Einbruch, oder? Der Demokratie tut das sicher nicht gut, wenn das journalistische Rückgrat immer weiter schrumpft.
Babler will das jetzt ändern, irgendwie. Die bisherige Praxis war wohl eher ein reines „Strukturen-Bewahren“ als eine echte Investition in die Zukunft. Jetzt sollen die Empfehlungen des Rechnungshofs herhalten: Klare Qualitätskriterien, weniger Wirrwarr bei den Förderungen und – das ist wohl der wichtigste Punkt – mehr Chancen für neue Akteure am Markt. Aktuell fließen jährlich rund 80 Millionen Euro an die etablierten Häuser, doch das soll nicht reichen.
Die Studie schlägt stattdessen 110 Millionen Euro pro Jahr vor. Das ist ein Wort. Davon sollen unter anderem 30 Millionen direkt in journalistische Arbeitsplätze fließen, weitere 30 Millionen in die Infrastruktur und 20 Millionen in Digitalabos. Was dann noch übrig bleibt, soll für Innovationen, KI-Projekte oder den Lokaljournalismus verwendet werden – also eigentlich ganz sinnvoll, wenn es denn am Ende auch wirklich dort ankommt, wo es gebraucht wird.
Und dann ist da noch der nichtkommerzielle Rundfunk, der aktuell mit etwas über 6 Millionen Euro auskommen muss; hier plant man mit 10 Millionen. Mal sehen, ob die ÖVP und die Neos bei diesen Plänen überhaupt mitspielen, denn ohne deren Zustimmung läuft bei Babler natürlich gar nichts. Die Politik in Österreich ist ja bekanntlich selten ein geradliniger Pfad, da wird noch viel diskutiert werden — eigentlich müsste man schon längst bei der Umsetzung sein, aber so läuft das eben.
Es geht um die Zukunft, wurde betont. Ob die 110 Millionen den Journalismus wirklich retten können? Vielleicht. Oder vielleicht verpufft das Geld auch in neuen Bürokratie-Schleifen. Es ist ein schwieriger Balanceakt zwischen Bewahrung und Neuanfang, bei dem man sich leicht verheddert. Man wird sehen, was am Ende auf dem Papier steht, falls da überhaupt was steht.