Stehen kurz vor Friedensdeal: Trump behauptet Iran gibt Uran ab

Es ist eine dieser Nachrichten, die man erst einmal sacken lassen muss: Donald Trump behauptet, der Iran stehe kurz davor, sein hochangereichertes Uran abzugeben. Der Geruch von frischem Kaffee lag noch in der Luft, als diese Meldungen über den Ticker liefen. Laut Misryoum sprach der US-Präsident vor dem Weißen Haus davon, dass Teheran bereit sei, Atomstaub – wohl ein etwas unpräziser Begriff seinerseits – auszuhändigen.
Die Details klingen fast zu einfach für das komplexe Geflecht aus Sanktionen und Drohgebärden, das wir seit Jahren beobachten. Ein 20-jähriges Moratorium für Atomwaffen? Das wäre eine Kehrtwende, die man sich vor kurzem kaum hätte vorstellen können. Wenn es nach Trump geht, stehen wir vor einem historischen Durchbruch, der auch die Märkte beruhigen könnte. Ölpreise runter, Inflation schrumpft – zumindest in der Theorie des Präsidenten. Aber ob das in der Realität so einfach funktioniert? Vielleicht nicht. Oder wer weiß, vielleicht ist das auch nur das übliche diplomatische Poker-Spiel.
Die Internationale Atomenergiebehörde sieht das jedenfalls alles etwas nüchterner. 440 Kilogramm angereichertes Uran lagern laut Misryoum dort, und während 60 Prozent Anreicherung schon beachtlich sind, fehlen eben noch die 90 Prozent für echte Sprengköpfe. Die Frage bleibt: Will Teheran das wirklich aufgeben? Eine offizielle Bestätigung aus dem Iran sucht man jedenfalls bisher vergeblich. Schweigen im Walde, könnte man sagen.
Und dann ist da noch die Sache mit dem Libanon. Trump bastelt gleichzeitig an einem Treffen zwischen Netanjahu und dem libanesischen Präsidenten Aoun. Man spricht von einem ersten Gipfel seit über vier Jahrzehnten – ein Treffen im Weißen Haus, das Geschichte schreiben könnte. Wenn es denn stattfindet. Netanjahu jedenfalls scheint seinen eigenen Kurs weiter zu verfolgen und beharrt auf der Zerschlagung der Hisbollah, ungeachtet der Feuerpause.
Es wirkt alles ein wenig fragmentiert, oder? Auf der einen Seite die großen Hoffnungen auf einen Deal, auf der anderen Seite die harte Realität in der Straße von Hormus. Es ist schwer zu sagen, wie viel davon Taktik ist und was tatsächlich Substanz hat. Die Gespräche in Islamabad vor einer Woche verliefen jedenfalls im Sande, was uns irgendwie wieder an den Anfang der Überlegungen führt.
Wir werden sehen, was passiert. Trump sagt, er würde zur Unterschrift persönlich anreisen – wenn es denn so weit kommt. Ob das reicht, um die tiefen Gräben zu schließen? Nun ja, vielleicht ist das auch erst einmal zweitrangig, solange zumindest geredet wird.