Saisonauftakt in Locarno: Polsini dominiert OL-Sprint

Tino Polsini startet mit einem Sieg in den OL-Sprint-Weltcup in Locarno. Simona Aebersold sichert sich trotz privater Schicksalsschläge und körperlicher Probleme den dritten Rang.
Tino Polsini hat den Orientierungslauf-Sprint zum Saisonauftakt in Locarno eindrucksvoll für sich entschieden. Mit einer Siegerzeit von 13:44 Minuten verwies er die internationale Konkurrenz auf die Plätze und unterstrich damit seine aktuelle Ausnahmestellung.
Der 26-jährige Schweizer knüpfte nahtlos an seine starke Form aus dem Vorjahr an, als er bereits den Knock-out-Sprint in Uster für sich entscheiden konnte.. In Locarno entwickelte sich ein hochspannendes Duell mit dem Tschechen Tomas Krivda.. Über weite Strecken sah es so aus, als könnte Krivda den Sieg davontragen, da er bis 500 Meter vor dem Ziel in der virtuellen Zeitnahme die Nase vorn hatte.. Doch Polsini mobilisierte auf dem finalen Abschnitt über die Piazza Grande seine letzten Kräfte.. Am Ende rettete er einen Vorsprung von genau einer Sekunde ins Ziel – ein Wimpernschlag, der den Unterschied zwischen Sieg und dem zweiten Platz ausmachte.
Emotionale Leistung von Simona Aebersold
Während Polsini die männliche Konkurrenz dominierte, lieferte Simona Aebersold bei den Frauen eine Geschichte voller Willenskraft.. Die Weltranglistenerste ging als letzte Starterin ins Rennen und musste zunächst einen misslungenen Auftakt kompensieren.. Erst 200 Meter vor der Ziellinie schob sie sich virtuell auf den dritten Platz, obwohl sie auf der Strecke kurzzeitig mit einer Passantin kollidierte.. Trotz dieses Schreckmoments behauptete sie ihren Rang bis zur Ziellinie.
Hinter der überragenden Schwedin Hanna Lundberg und der Norwegerin Pia Young Vik sicherte sich Aebersold damit den letzten Podestplatz.. Die Leistung ist umso höher einzuschätzen, da die Bernerin erst vor wenigen Tagen den plötzlichen Verlust ihres Onkels und Trainers verkraften musste.. Begleitet von einer vorangegangenen Erkrankung kämpfte sich die Athletin durch einen Parcours, der ihr mental wie physisch alles abverlangte.. Ihr emotionaler Ausbruch im Zielbereich machte deutlich, wie viel Kraft der Sport in einer solch schwierigen Zeit erfordert.
Ein Ausblick auf das Rennwochenende
Die Ergebnisse in Locarno verdeutlichen, dass der Schweizer OL-Kader auch in der neuen Saison das Maß der Dinge sein möchte.. Neben Aebersold zeigten auch Natalia Gemperle mit einem starken fünften Platz und Paula Gross auf Rang zwölf, dass die Dichte an der Spitze beim Schweizer Verband extrem hoch ist.. Die taktische Herausforderung in den engen Gassen von Locarno verlangte den Athleten nicht nur physische Ausdauer, sondern auch eine blitzschnelle Routenwahl ab.
Die Bedeutung dieses Saisonstarts kann kaum überschätzt werden.. Früh in der Saison ein solch hohes Niveau abzurufen, gibt den Läufern nicht nur Selbstvertrauen für die kommenden Weltcup-Stationen, sondern setzt auch ein Ausrufezeichen bei der Konkurrenz.. Während sich die Teams nun auf die Staffelsprints am Samstag und die anstehenden Knock-out-Formate am Sonntag vorbereiten, bleibt die Frage, ob die internationale Konkurrenz – allen voran die starken Skandinavier – auf die Schweizer Dominanz reagieren kann.. Misryoum wird das Geschehen an der Piazza Grande weiterhin genau verfolgen.