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Russland kopiert Schachtar Donezk in der Liga

Parallel zum echten Schachtar treten in Russlands Liga Klone an. Ukrainische Proteste blieben dabei offenbar wirkungslos.

Ein Fußballverein als Kopie: Während Schachtar Donezk auf der internationalen Bühne um wichtige Spiele kämpft, läuft in Russland offenbar parallel ein Duplikat im Ligabetrieb.

Orange-schwarze Trikots, ein markantes Wappen mit gekreuzten Elementen und der Name „Schachtar Donezk“: Diese Kombination wird derzeit auch in der russischen vierten Liga sichtbar.. Der Original-Klub aus der Ukraine ist zeitgleich im europäischen Wettbewerb gefordert, doch in Russland gibt es dazu eine eigene Version.

In diesem Zusammenhang hatte der ukrainische Fußballverband bereits im Oktober bei der UEFA protestiert.. In dem Schreiben, das Misryoum zusammenfassend dokumentiert, ging es um den Vorwurf, „Name und Identität“ des echten Schachtar würden ohne legitimen Anspruch übernommen.. Laut Darstellung ziele das Vorgehen darauf ab, eine Besatzung zu legitimieren und die Identität des ukrainischen Fußballs zu verdrängen.

Dabei blieb es nicht nur bei der Kritik: Misryoum berichtet, dass die Kopie trotz der Proteste bereits in der Liga gestartet ist. Das zeigt, wie schwierig es ist, sportliche Marken und Zugehörigkeiten in einem geopolitisch aufgeladenen Umfeld klar zu schützen.

Schachtar selbst spielt in diesem Klon nicht in Donezk.. Stattdessen finden die Heimspiele in der russischen Stadt Taganrog statt, rund 120 Kilometer südöstlich.. Klubpräsident Igor Petrow erklärte gegenüber Misryoum, man wolle „sobald es die Umstände zulassen“ in die beschädigte Donbass-Arena umziehen.

Petrow steht dabei sinnbildlich für die Brüche der letzten Jahre: Er war in den 1990er-Jahren Kapitän des ukrainischen Klubs nach der Unabhängigkeit.. Mit Kriegsbeginn wechselte er laut Misryoum die Seiten, obwohl er zuvor lange das Trikot von Schachtar getragen hatte.. Heute sagt er, er freue sich darüber, dass der Heimatverein wieder im russischen Fußball spiele.

Dass es nicht nur bei Schachtar bleibt, macht Misryoum auch an weiteren Beispielen deutlich.. In der russischen Division B, Gruppe 1 treten demnach unter Namen wie „Sorja Luhansk“ ebenfalls Vereine an, die als Kopien ukrainischer Klubs beschrieben werden.. Auch der FK Sewastopol, als Nachfolger eines gleichnamigen ukrainischen Vereins von der Krim, findet sich im Spielbetrieb.

Für die Fans bedeutet das ein zweischneidiges Bild: Laut Misryoum kommen in Taganrog zu den Heimspielen etwa 500 Zuschauer, und auch eine aktive Szene ist sichtbar.. Trikots, Gesänge und Fahnen sollen dabei an das „echte“ Schachtar erinnern.. Gleichzeitig wird eine klare Abgrenzung zum Original spürbar, etwa durch eine Auslassung bestimmter Kapitel zur ukrainischen Unabhängigkeit.

Am Ende geht es weniger nur um Fußball als um Identität: Wenn Klubs in einem Konfliktumfeld kopiert werden, wird Sport zum Symbolfeld. Misryoum ordnet das als weiteres Puzzleteil ein, wie Zugehörigkeit politisch aufgeladen werden kann.

Ob Original oder Kopie künftig wieder dieselbe Bühne in der Region teilen, bleibt offen.. Misryoum verweist darauf, dass Donezk aktuell stark russisch geprägt ist, etwa im Alltag und sprachlich.. Bis dahin spielen die Teams im Exil, zuletzt mit sogar organisierten kostenlosen Busangeboten für Fans zu einem Heimspiel in Taganrog statt an den angestammten Ort.

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