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Orbán vor dem Scherbenhaufen: Eine Ära geht zu Ende

Es riecht in den Fluren des Parlaments heute irgendwie anders – eine Mischung aus abgestandenem Kaffee und der seltsamen, fast greifbaren Nervosität, die immer dann aufkommt, wenn sich die Geschichte dreht. Nach 16 Jahren an der Macht ist für Viktor Orbán nun Schluss. Die Wahl am Sonntag hat Fakten geschaffen, mit denen so wohl niemand in seinem inneren Zirkel gerechnet hatte. Peter Magyar und seine konservative Tisza-Partei haben eine satte Zweidrittelmehrheit geholt. Das ist kein kleiner Denkzettel, das ist ein politischer Erdrutsch, der das Fundament, auf dem Orbán seine Politik der letzten Jahre aufgebaut hat, buchstäblich weggespült hat.

Orbán selbst? Der wirkt in seinen ersten Äußerungen – unter anderem in einem Gespräch auf dem Kanal Patriota – fast ein wenig verloren, als müsste er sich erst einmal sortieren. Er sprach davon, dass er versuche, „irgendwie diesen Schock zu überwinden“. Ein bemerkenswert ehrlicher Satz, für jemanden, der sonst jede Debatte mit eiserner Miene beherrscht hat. Als Parteivorsitzender zieht er sich den Schuh der vollen Verantwortung an. Ob das reicht, um die Basis zu beruhigen oder vielleicht sogar – wer weiß das schon – die Partei in einer neuen Form wiederzubeleben? Die Zeit dafür scheint jedenfalls denkbar knapp zu sein, denn Misryoum berichtet, dass die Dynamik gegen ihn läuft.

Der Kontrast könnte nicht schärfer sein. Magyar hat einen „vollständigen Regimewechsel“ versprochen. Das sind große Worte, die nun mit Leben gefüllt werden müssen. Es geht um Reformen, um grundlegende Strukturen, die in den nächsten Monaten wohl komplett auf links gedreht werden. Man merkt an der Art, wie über den bevorstehenden Mai gesprochen wird, dass im politischen Apparat bereits die Nerven blank liegen.

Anfang Mai soll das neu gewählte Parlament zum ersten Mal zusammenkommen.

Es ist alles noch sehr frisch. Man hat das Gefühl, die alten Akteure wissen noch gar nicht so recht, wie sie sich in dieser neuen Welt bewegen sollen, in der ihre alten Machtinstrumente plötzlich stumpf geworden sind. Oder vielleicht haben sie es schon begriffen, wollen es aber noch nicht wahrhaben. Wer weiß. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob Orbán – oder zumindest seine Partei – überhaupt noch die Kraft für eine echte Erneuerung hat, oder ob der Prozess der Ablösung schon längst tiefer in der Substanz gegraben hat, als es den Anschein macht. Es bleibt spannend, auch wenn es aktuell eher nach Abschied als nach Neuanfang klingt.

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