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Orbán verspricht Neuanfang für Fidesz

Es ist ein Moment, der in Budapest sicher noch lange nachhallen wird. Viktor Orbán, der jahrelang das politische Klima in Ungarn wie kein anderer bestimmte, sitzt da und spricht von „vollständiger Erneuerung“. Draußen auf den Straßen der Hauptstadt riecht es nach dem nassen Asphalt eines Frühlingsregens, ein Geruch von Wandel, der hier fast greifbar scheint. In seinem ersten Interview seit der bitteren Niederlage vom vergangenen Sonntag klang er – nun ja, man merkt ihm die Erschütterung an. „Wir können nicht so weitermachen“, sagte er. Es ist der Versuch, irgendwie aus der Schockstarre herauszukommen.

Die Fidesz-Partei steht vor einem Scherbenhaufen, oder zumindest vor der größten Herausforderung seit eineinhalb Jahrzehnten. Orbán betonte, dass es nicht nur um die eigene Partei gehe, sondern das gesamte rechte Lager einen neuen Anstrich brauche. Ob das reicht? Wer weiß das schon.

Man muss sich das kurz vor Augen führen: Peter Magyars konservative Tisza-Partei hat eine Zweidrittelmehrheit geholt. Das ist ein Erdrutsch, der den Boden unter den Füßen der alten Garde regelrecht weggerissen hat. Magyar – der Mann, der Orbán nach 16 Jahren ablöst – hat bereits einen kompletten „Regimewechsel“ angekündigt. Ein großer Begriff. Wenn man bedenkt, wie tief die Strukturen verankert sind.

Als Parteichef nimmt Orbán nach eigenen Angaben die „volle Verantwortung“ auf sich. Er wirkt fast ein wenig verloren, während er über die notwendigen Reformen spricht. Vielleicht ist es nur Taktik, vielleicht aber auch echte Ratlosigkeit. Die politischen Karten in Ungarn wurden jedenfalls neu gemischt, und das Parlament soll laut Misryoum bereits Anfang Mai das erste Mal zusammenkommen.

Wie die Transformation genau aussehen soll, bleibt – zumindest vorerst – vage. Die Zeit des Zögerns scheint jedoch vorbei, auch wenn der Übergang in der Praxis sicher holprig werden wird. Ob die angedeuteten Reformen tatsächlich zu einem echten Aufbruch führen oder nur Kosmetik bleiben, darüber lässt sich aktuell wohl nur spekulieren. Es bleibt abzuwarten, wie viel von dieser „Erneuerung“ am Ende wirklich Bestand hat oder ob es bei der bloßen Rhetorik bleibt.

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