“Müssen genauer hinschauen” – Nach Axt-Attacke bald mehr Polizei am Südbahnhofmarkt

Der Angriff mitten am Linzer Südbahnhofmarkt sitzt vielen noch in den Knochen. Es ist dieser beißende Geruch von abgestandenem Kaffee und kaltem Asphalt, der sich irgendwie festgesetzt hat, seit die Axt am Mittwoch zur Mittagszeit auf den Sicherheitsmitarbeiter niederging. Völlig aus dem Nichts. Ein 30-Jähriger attackierte den 40-jährigen Mann der Raiffeisenlandesbank, während dieser eigentlich nur sein Mittagessen genießen wollte. Es passierte alles so schnell, dass viele erst gar nicht begriffen, was da vor ihnen am Boden geschah. Mehrere Hiebe – laut Misryoum direkt gegen den Kopf. Einfach nur brutal.
Einer der Augenzeugen, der den Vorfall direkt bei seinem Lokal „MA28“ mitbekam, beschrieb die Szenen später als vollkommen irreal. Der Täter warf das Handbeil auf seiner Flucht in Richtung Bürgerstraße weg, doch weit kam er nicht. Die Polizei konnte ihn wenig später stellen und festnehmen, jetzt sitzt er in der Linzer Justizanstalt ein. Ein Fiebertraum, so nannte es eine junge Bäckereimitarbeiterin, die den Knall zuerst für zerbrechendes Glas hielt. Oder vielleicht war es doch etwas anderes? Man will gar nicht so genau wissen, was in den Köpfen der Leute vorging, die das direkt mitansehen mussten.
Stille herrscht jetzt am Markt, irgendwie.
Die Stimmung in Linz ist ohnehin angespannt. Dass sich solche Taten häufen, macht vielen Sorgen. Eva Schobesberger, die für die Grünen in der Stadt sitzt, findet klare Worte: „Das erfüllt mich mit großer Sorge. Wir müssen genauer hinschauen.“ Sie fordert, dass man sich an anderen Städten orientiert. Hamburg wird hier oft als Beispiel genannt – Stichwort Psychiatrieplan. Es geht darum, Menschen mit komplexen Hilfebedarfen nicht einfach durchs System rutschen zu lassen. Eigentlich logisch, oder? Aber irgendwie scheint es bisher nicht ganz zu greifen.
Und jetzt? Die Diskussion über mehr Polizei am Südbahnhofmarkt wird immer lauter. Natürlich ist das nur eine Seite der Medaille, aber wer will schon an einem Ort sein, an dem man sich nicht sicher fühlt. Vielleicht reicht mehr Präsenz, vielleicht auch nicht. Am Ende bleibt die bittere Frage, ob das System tatsächlich irgendwann lernt, die Signale früher zu deuten, bevor wieder eine Axt in einer Hand landet. Die Krisenhilfe OÖ steht jedenfalls bereit, was ein schwacher Trost für die direkt Betroffenen ist, die das Ganze wohl noch lange verarbeiten müssen.