Lufthansa macht dicht: Cityline vor dem Aus inmitten von Streiks

Es riecht nach verbranntem Kerosin und Ärger in den Hangars, während die Lufthansa heute den Flugbetrieb ihrer Tochter Cityline faktisch vor dem Aus stehen sieht. Die offizielle Begründung? Explodierende Spritpreise und ineffiziente Maschinen, die einfach zu viel kosten. Aber wer zwischen den Zeilen liest, der spürt die Reibung zwischen Management und Belegschaft. Misryoum berichtet, dass besonders die Gewerkschaft Ufo den Schritt als direkte Vergeltung für die jüngsten Streikwellen wertet. Harry Jaeger, Experte für Tariffragen, spricht von einem „Krieg gegen die eigenen Leute“. Man kann es kaum anders nennen, wenn kurz nach einer 100-Jahr-Feier plötzlich die Lichter ausgehen sollen.
Eigentlich sollten die Zubringerflüge zu den großen Drehkreuzen wie Frankfurt oder München künftig effizienter laufen. Das Management plant, fünf Flugzeuge einzusparen, indem Verbindungen gestrichen oder reduziert werden. „Die aktuelle Krise zwingt uns dazu“, so Finanzvorstand Till Streichert, während man zeitgleich darüber nachdenkt, ob nicht auch Ziele ganz von der Karte verschwinden könnten. Das klingt nach einem Plan, aber die Umsetzung wirkt hektisch. Oder vielleicht verzweifelt?
Die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit, kurz VC, macht am Freitag wie geplant weiter mit ihrem Streik. Präsident Andreas Pinheiro lässt sich nicht beeindrucken und findet die Argumente der Airline bezüglich geopolitischer Gründe wenig glaubhaft. Es bleibt das ungute Gefühl, dass hier gerade Arbeitskampf auf dem Rücken der Cityline-Beschäftigten ausgetragen wird. Es geht immerhin um rund 800 Flugbegleiter und etwa 500 Piloten, deren Zukunft nun in der Schwebe hängt.
Neben den kleineren Jets trifft es nun auch die alten Eisen: Sechs betagte Langstreckenjets der Kernmarke werden Ende Oktober stillgelegt. Darunter die letzten vier Airbus A340-600 und zwei Boeing 747-400. Die Jüngeren unter den Jumbos dürfen bleiben, aber mit jedem Flugzeug, das den Dienst quittiert, schrumpfen auch die Perspektiven für das Personal.
Es ist ein seltsames Hin und Her. Einerseits bietet man Anschlussbeschäftigungen an, andererseits reichen die Konditionen den Gewerkschaften hinten und vorne nicht. Die Gespräche über einen Sozialplan stehen noch aus, aber das Vertrauensverhältnis? Das ist wohl schon seit dem Wochenende zerrüttet, als Personalvorstand Michael Niggemann bereits ankündigte, dass der Druck der Streiks diesen Prozess nur beschleunigen könnte.
Und während die Kerosinversorgung europaweit unter Stress steht – was der Flughafenverband ADV mit Verweis auf begrenzte Raffineriekapazitäten bestätigt – schaut man in München und bei der Cityline ins Leere. Ob der neue Flugplan das wirklich alles kompensieren kann, bleibt abzuwarten. Vielleicht ist es mehr ein Notbehelf als eine strategische Meisterleistung. Man wird sehen, wohin das führt – oder auch nicht.