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Kurzzeitvermietung in Wien: Das Schlupfloch bei der Umwidmung

Die Kurzzeitvermietung in Wien steht erneut im Fokus politischer Auseinandersetzungen, da findige Anbieter eine Lücke in den geltenden Bestimmungen entdeckt haben. Ein Zinshaus in der Thaliastraße dient dabei als aktuelles Beispiel für eine Strategie, die den Wohnungsmarkt unter Druck setzt.

Eigentlich soll die 90-Tage-Regel sicherstellen, dass Wohnraum in der Bundeshauptstadt für die ansässige Bevölkerung verfügbar bleibt.. Wer seine Wohnung öfter als drei Monate pro Jahr an Touristen vermieten möchte, benötigt eine spezielle Bewilligung, die an strenge Auflagen geknüpft ist.. Doch statt diese Hürden zu nehmen, wählen einige Eigentümer den Weg der Umwidmung.. Indem ein ganzes Wohnhaus offiziell als „Beherbergungsstätte“ deklariert wird, unterliegt das Gebäude nicht mehr dem Wohnrecht, sondern den deutlich flexibleren Richtlinien für touristische Unterkünfte.

## Die Taktik der Umwidmung

Das Beispiel in der Thaliastraße ist keineswegs ein Einzelfall, sondern fügt sich in einen besorgniserregenden Trend ein.. Während die Stadt Wien versucht, mit Baupolizei und strengeren Widmungsvorgaben gegenzusteuern, zeigen Daten eine deutliche Zunahme entsprechender Anträge.. Allein im Jahr 2025 gingen bei der Magistratsabteilung 37 über 300 Anträge auf Umwidmung ein, von denen bereits ein beachtlicher Teil genehmigt wurde.. Für die Behörden entsteht hier ein rechtliches Dilemma: Wenn ein Gebäude die formalen Voraussetzungen für ein Beherbergungsunternehmen erfüllt, sind der Baupolizei in der Ablehnung oft die Hände gebunden, da das Gesetz in dieser Form noch Spielräume lässt.

Die Kritik an dieser Praxis ist vielschichtig.. Auf der einen Seite steht der dringende Bedarf an bezahlbarem Wohnraum in einer wachsenden Stadt.. Wenn komplette Häuser dem regulären Mietmarkt entzogen werden, verknappt dies das Angebot und treibt die Preise in die Höhe.. Auf der anderen Seite argumentieren Investoren, dass der Tourismus ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor für Wien sei und durch professionelle Beherbergungsstätten in Zinshäusern ein kontrolliertes Angebot geschaffen werde.. Dennoch bleibt der bittere Beigeschmack einer Zweckentfremdung, die eigentlich dazu gedacht war, urbanes Wohnen zu schützen.

## Politische Reaktionen und die Zukunft des Wohnmarktes

Die Opposition, allen voran die Grünen, fordert ein sofortiges Eingreifen der Stadtregierung.. Die Sorge ist groß, dass ohne eine Verschärfung der Widmungskriterien tausende Wohnungen dauerhaft für den normalen Mieter verloren gehen.. Misryoum beobachtet die Entwicklung kritisch: Es steht außer Frage, dass die derzeitige Rechtslage eine Umgehung der 90-Tage-Grenze erst ermöglicht.. Sollte die Stadt Wien hier nicht nachbessern, könnte der Wohnraumschutz in beliebten Bezirken massiv untergraben werden.

Es stellt sich die grundlegende Frage, ob die Stadt eine klare Trennung zwischen Wohngebieten und touristischen Zonen definieren muss, um diesen schleichenden Prozess zu stoppen.. Letztlich geht es um die Lebensqualität der Wienerinnen und Wiener, die durch den ständigen Wandel der Nachbarschaften in Kurzzeit-Appartements zunehmend beeinträchtigt wird.. Die Debatte um die Thaliastraße ist daher nur der Auftakt zu einem größeren Streit um die Frage, wem die Stadt in Zukunft gehören soll: den Bewohnern oder den temporären Gästen.