Kerosin-Engpässe: Zwischen politischer Gelassenheit und der Sorge um den Tank

Es ist diese Art von Nachricht, die man an einem Dienstagnachmittag liest, während draußen der Geruch von nassem Asphalt durch das offene Fenster zieht – irgendwie beunruhigend. Die IEA warnt vor einer drohenden Kerosin-Knappheit in Europa. Dass man überhaupt über so etwas spricht, zeigt schon, wie brüchig das System gerade ist. Eigentlich sollte man meinen, wir hätten das im Griff, oder?
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche von der CDU versucht, die Wogen zu glätten. Sie betont, dass Kerosin eben auch in deutschen Raffinerien produziert wird und wir uns nicht ausschließlich auf Importe verlassen müssen. Ein beruhigender Gedanke, zumindest auf dem Papier. Doch dann ist da noch Sepp Müller, der Co-Vorsitzende der Koalitions-Arbeitsgruppe zu den Spritpreisen, und der sieht das alles — nun ja, deutlich weniger entspannt.
Müller schlägt einen ungewöhnlichen Weg ein. Er warnt nicht nur vor der Knappheit, er appelliert direkt an die Bürger: Die Leute sollen möglichst wenig Auto fahren. „Das macht es uns auch möglich, mehr Kerosin herzustellen im Raffinerie-Prozess“, so seine Argumentation. Es wirkt fast ein bisschen wie eine Verzweiflungstat, dieses Umverteilen von Kapazitäten, aber vielleicht ist es auch nur pragmatisch. Oder vielleicht eben nicht, wer weiß das schon so genau in diesen Zeiten.
Die Realität holt uns jedenfalls schneller ein, als es den Verantwortlichen lieb sein dürfte. In Italien, so berichtet Misryoum, werden bereits Flugzeuge nicht mehr vollständig betankt. Ein schlechtes Zeichen. Wenn die Logistikkette dort schon reißt, wie lange dauert es dann, bis es auch bei uns richtig eng wird?
Die Frage, wie wir unsere Raffinerien effizienter auf Kerosin-Produktion trimmen, steht nun im Raum, aber ob das ausreicht? Müller jedenfalls wirkt entschlossen, während wir alle darauf warten, was der nächste Schritt ist. Vielleicht fahren wir dann bald wirklich alle weniger Auto – oder wir stehen bald alle auf dem Flugfeld, ohne abheben zu können.