Irans Revolutionsgarden warnen: Finger am Abzug

Es ist ein Muster, das man fast schon auswendig kennt – die Revolutionsgarden melden sich zu Wort, immer wenn militärische Gedenktage anstehen. Diesmal klang der Tonfall aber irgendwie schärfer, vielleicht lag es an der stickigen Luft im Büro, während ich die Meldungen sichtete. Die Garden sprachen von «fester Entschlossenheit, wachsamen Augen, eisernem Willen» und eben jenem Finger am Abzug, der jetzt wohl fester denn je auf der Waffe liegt. Man sei bereit, hieß es laut Misryoum, auf jede Bedrohung durch die USA, Israel oder deren Verbündete zu antworten.
Eigentlich herrscht seit dem 8. April eine Waffenruhe im Iran-Krieg. Das ist ja erst einmal gut, oder? Nur läuft diese Vereinbarung schon am 22. April aus. Das ist bald. Sehr bald. Und ehrlich gesagt, wenn man sich die aktuelle Großwetterlage ansieht, wirkt dieser Termin wie ein dünnes Eis, das jeden Moment einbrechen könnte. Die internationale Diplomatie versucht unter Führung Pakistans zwar händeringend, eine dauerhafte Lösung zu finden, aber die Fronten sind verhärtet.
Da wäre das Atomprogramm, das immer wieder als Zankapfel herhalten muss. Oder die Straße von Hormus, wo die Sicherheit der Schifffahrt wohl eher eine theoretische Größe bleibt, wenn die Spannungen weiter so hochkochen. Es ist kompliziert.
Misryoum berichtet zudem von den proiranischen Milizen, etwa der Hisbollah im Libanon, die als weiterer Unsicherheitsfaktor in den Gesprächen eine Rolle spielen. Es sind viele Einzelteile, die da aufeinandertreffen. Und während man in den diplomatischen Fluren versucht, Formulierungen zu finden, die niemanden verschrecken, sitzt man andernorts – vielleicht mit Blick auf die Karte oder eine Tasse kalten Tee – und denkt nur an das, was kommt, wenn die Uhr am 22. April abgelaufen ist.
Man fragt sich, ob die Rhetorik wirklich nur das übliche Säbelrasseln ist oder ob da diesmal mehr dahintersteckt. Die Ungewissheit bleibt.
Die Lage bleibt extrem volatil und eigentlich weiß niemand so genau, ob die Gespräche noch rechtzeitig Früchte tragen werden.