Chorfrühling in Emden: Akustik-Probleme endlich gelöst

Es roch noch ein wenig nach frischer Technik und Aufregung im Festspielhaus am Wall, als die ersten Stimmen am Wochenende den Raum füllten. Lange Zeit war das Thema Akustik in Emden ja so eine Sache – ein ständiger Begleiter, der eher für Stirnrunzeln als für Gänsehaut sorgte. Doch zum dritten Ostfriesischen Chorfrühling hat sich das Blatt gewendet. Kulturevents Emden hat ordentlich an den Reglern geschraubt, nachdem es im Kulturausschuss mächtig Kritik gehagelt hatte.
Die Lösung? Eine technische Aufrüstung, die sich gewaschen hat. Wo früher wegen einer notwendigen Sprinkleranlage bei der Sanierung des ehemaligen Neuen Theaters die Akustikplatten an der Decke fehlten, helfen jetzt Monitorboxen und eine ganze Reihe von Chor- und Solo-Mikrofonen nach. „Die Sängerinnen und Sänger konnten sich auf der Bühne deutlich besser hören“, ließ man seitens der Stadt verlauten. Endlich, möchte man sagen. Es ist doch so: Wenn man als Sänger nicht hört, was der Nebenmann macht, wird das Timing schnell zur Glückssache.
173 Aktive aus sieben Chören waren am Start. Das ist eine ordentliche Truppe. Folke Jürgens, die den Chorwurm leitet, gab nach der Veranstaltung eine Art vorsichtige Entwarnung – oder vielleicht eher ein Lob mit kleiner Anmerkung. „Die Kondensatoren-Mikros haben den Klang gut übertragen“, meinte sie, gab aber zu bedenken, dass die Leute in den hinteren Reihen manchmal noch etwas verloren wirkten. Vielleicht braucht es da beim nächsten Mal noch mehr… nun ja, Feintuning.
Man muss es sich so vorstellen: Ein Chor ist wie ein fragiles Gefüge. Wenn die gewohnte Probenatmosphäre fehlt, wackelt die Intonation. Jürgens wünscht sich daher, dass jeder Chor mal eine komplette Probe unter Echtbedingungen bekommt. Aber wer weiß, ob das organisatorisch überhaupt machbar ist. Das Festspielhaus-Team ist jedenfalls erst einmal aus der Schusslinie, und die Stimmung? Die war laut Misryoum-Berichten rundum gut.
Es war wohl ein buntes Programm. Von Beatles-Medleys bis hin zu Musical-Einlagen war alles dabei. Die 220 Zuschauer im Saal dürften ihren Spaß gehabt haben, vor allem als Heike Douglas, die Präsidentin des Chorverbands, wie Mary Poppins einschwebte. Ein schönes Bild, das sicher auf vielen Handys gelandet ist.
Am Ende des Tages blieb dann noch der gemeinsame Kanon „Dona Nobis Pacem“ im Foyer. Ein Moment, in dem die Technik dann auch mal egal war. Ob das jetzt die perfekte Lösung für alle Ewigkeit ist? Man wird sehen. Aber für diesen Frühling hat es erst einmal gereicht – und manchmal ist das ja auch schon eine ganze Menge wert. Vielleicht wird es beim nächsten Mal sogar noch etwas stimmiger, wenn das Team die letzten Ecken ausleuchtet.