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Affaire Epstein: Norwegen und Frankreich prüfen Diplomatenpaar wegen Korruptionsvorwürfen

Norwegen und Frankreich haben eine gemeinsame Ermittlungsgruppe gestartet, um Vorwürfe gegen Mona Juul und Terje Rød-Larsen im Umfeld von Jeffrey Epstein zu prüfen.

Die Ermittlungen rund um das Umfeld von Jeffrey Epstein nehmen neue Formen an: Norwegen und Frankreich arbeiten nun enger zusammen.

Gemeinsame Ermittlungsgruppe (JIT)

Dazu wurde ein sogenanntes JIT-Modell (Joint Investigation Team) zwischen Økokrim, dem norwegischen Finanzermittlungsarm, und Frankreich aufgesetzt.. Nach Angaben aus Polizeikreisen soll die Zusammenarbeit eine klar abgegrenzte Angelegenheit betreffen, die in Frankreich aktuell selbst geprüft wird.. Konkrete Details zu den französischen Schwerpunkten wurden dabei nicht öffentlich benannt.

Ein wesentlicher Punkt ist die Entlastung im internationalen Rechtshilfeprozess.. Laut der Staatsanwältin Marianne Bender müsse nicht jedes Mal neu ein formeller Antrag auf gerichtliche Unterstützung gestellt werden, wenn Informationen aus dem jeweils anderen Land benötigt werden.. Ziel sei vor allem, die Effizienz der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit zu erhöhen.

Warum der Fall Juul/Rød-Larsen Aufmerksamkeit bekommt

Mona Juul hatte zunächst eine leitende Funktion im norwegischen Außenministerium inne und wurde später in den 2010er-Jahren Botschafterin im Vereinigten Königreich.. Terje Rød-Larsen ist ihr Ehemann.. Beide werden in den Ermittlungsunterlagen vor allem wegen mutmaßlicher Kontakte und unterstützender Vorgänge im Umfeld von Jeffrey Epstein in den Blick genommen.

Für Einordnung sorgt zudem die politische Rolle des Paares in früheren Jahren: Medien berichten, dass Juul und Rød-Larsen bedeutend an geheimen israelisch-palästinensischen Verhandlungen beteiligt gewesen seien, aus denen Anfang der 1990er-Jahre die Osloer Abkommen hervorgingen.. Genau diese Mischung aus hochrangigem außenpolitischem Profil und jetzt nachgezogenen Ermittlungen macht den Fall für Beobachter besonders sensibel.

Nach norwegischen Medienangaben richtet sich die Untersuchung unter anderem auf mögliche Unterstützungsleistungen, die bei einem Immobiliengeschäft eine Rolle gespielt haben sollen.. Dabei geht es um den Kauf einer Wohnung in Oslo im Jahr 2018, bei dem das Paar Berichten zufolge zu einem Preis erworben haben soll, der unter dem Marktwert gelegen haben könnte.. Außerdem wird über einen Aufenthalt auf einer Insel im Jahr 2011 im Zusammenhang mit Epstein berichtet sowie über Zahlungen für Dienste im Haushalt, die Rød-Larsen betroffen haben sollen.

Das Paar bestreitet, eine Straftat begangen zu haben.

Frankreichs parallel laufende Finanzverfahren

Der Fall steht in einem weiteren größeren Zusammenhang: Jeffrey Epstein war 2008 in den USA wegen „Solicitation of a minor“ verurteilt worden.. Auch wenn die aktuelle norwegisch-französische Zusammenarbeit nicht automatisch jede Einzelkomponente dieses Gesamtkomplexes abdeckt, schafft die gemeinsame Fallhistorie einen Rahmen, in dem nun einzelne mögliche Fehlverhalten juristisch neu sortiert werden.

Was die neue Kooperation für den Prozess bedeutet

Für Betroffene und die Öffentlichkeit hat das unmittelbare Folgen: Die Zeit bis zu weiteren Verfahrensschritten wird zwar nicht automatisch kürzer, aber die Richtung wird klarer.. Ein koordiniertes Vorgehen deutet darauf hin, dass beide Seiten einen gemeinsamen Ermittlungsbedarf sehen.. Gleichzeitig bleibt vieles vorerst offen, weil Details zu den konkreten Vorwürfen auf französischer Seite bislang nicht öffentlich ausgeführt wurden.

Mona Juul und Terje Rød-Larsen zeigen sich laut bisherigen Angaben nicht schuldhaft.. Ob sich die Ermittlungsansätze erhärten, wird am Ende davon abhängen, welche Belege sich grenzüberschreitend sichern lassen und wie Gerichte den mutmaßlichen Zusammenhang zwischen Funktionen, Vorteilen und möglichen Handlungsspielräumen bewerten.