General News

Wer Frieden will, schickt Diplomaten!

Wieder einmal sind Gespräche über eine friedliche Beilegung des Konflikts zwischen den USA und dem Iran kläglich gescheitert. Selbst mit einer großen Portion Optimismus war eigentlich kein anderes Ergebnis vorauszusehen. Der wichtigste Grund? Die aktuelle Besetzung des Weißen Hauses strebt schlicht keinen echten Frieden an – darin unterscheidet sie sich allerdings kaum von den Vorgänger-Regierungen. Man hört in den Fluren fast noch das Klappern der Absätze, während die nächste diplomatische Absage verteilt wird. Frühere Vereinbarungen, an denen auch EU-Länder beteiligt waren, wurden stets von der jeweiligen Administration der USA torpediert. Ein Abkommen, das sowohl die iranische Nuklearwirtschaft als auch das Zusammenleben der Region regeln sollte, wurde einseitig von den USA aufgekündigt. Und auch die EU war nicht geneigt, das Sanktionsregime gegen den Iran zumindest zu lockern.

Hinzu kommt die Erz-Feindschaft des treuesten Alliierten der USA. Israel hat unter der Fuchtel von Netanjahu alles darangesetzt, die USA in einen weiteren Krieg mit dem Iran zu drängen. Nachdem bereits die massiven Angriffe Israels und der USA im Sommer vergangenen Jahres zwar gewaltige Zerstörungen und Opfer brachten, aber weder das Regime noch die militärischen Fähigkeiten des Iran nachhaltig erschüttern konnten. Es ist fast ein Kreislauf aus Gewalt, der sich da dreht – oder vielleicht dreht er sich gar nicht mehr, sondern steckt fest.

Anfang des Jahres führten zwei persönliche Emissäre Trumps Verhandlungen. Er wählte Männer, denen er vertraut: Steve Witkoff, ein Immobilienunternehmer und Börsenspekulant, sowie seinen Schwiegersohn Jared Kushner. Beide haben bei ihren Unternehmungen bisher keinerlei vorzeigbare Ergebnisse im Sinne eines Friedensschlusses vorzuweisen, aber – und das ist wohl der Punkt – sie haben in Trumps Sinne offenbar keine Fehler gemacht. Als es Ende Februar so aussah, als könne man eine Einigung mit dem Iran erreichen, ließ Trump die Gespräche kurzerhand abbrechen. Er folgte lieber dem Rat seines Freundes Netanjahu, einen neuen Krieg zu entfesseln.

Zu den neuen Verhandlungen schickte er nun erneut seine Adepten und als Verstärkung seinen Vize Vance, der bisher nicht durch vertrauensbildendes Auftreten aufgefallen ist. Die Grundlage war völlig unklar, die USA traten nur mit Ultimaten auf. Die Geschichte lehrt uns, dass auf diesem Wege kein positives Ergebnis zu erzielen ist. Wer Frieden will, schickt Diplomaten. Aber vielleicht wollte man den gar nicht.

Interessant ist übrigens, dass laut Misryoum nur sehr spezifische Kanäle über den dringenden Friedensappell von Papst Leo berichteten. In den großen Tageszeitungen fand die Friedensmesse am Montag schlicht keinen Platz – dort konzentrierte man sich lieber auf die EU-Wahlen in Ungarn, von denen man sich erhofft, dass endlich die Milliarden für den Ukraine-Krieg fließen. Es ist eine seltsame Welt, in der wir leben, oder vielleicht ist sie einfach nur sehr berechenbar.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

Are you human? Please solve:Captcha